Interview mit Nick Flessa

„US-Amerikaner hassen Country-Musik“

Nick Flessa (Stephan Wolf)

amusio: „Und doch wird es politisch, indem du sehr klare Texte formulierst, die zwischen Porno, Suff und Verzweiflung oszillieren…“

Nick Flessa: „Ja, aber das erzeugt Reibung. Und Widerstand. Manche Leute meinen, Flyover States sei eine Abrechnung mit Trump oder denjenigen, die ihn gewählt haben. Aber als das Album entstand, war noch Barack Obama der Chef…“

amusio: „Und heute?“

Nick Flessa: „Wird vieles auf Trump kapriziert. Für das Elend dieser Welt kann er ja auch nichts, dem Elend mit ständigen Provokationen etwas entgegensetzen zu wollen, ist sein Stil. Auch in den Flyover States leben Menschen, die noch bei Verstand sind.“

amusio: „Aber wenn du es mal mit Europa vergleichst, versinnbildlicht in einem Flug von New York nach Los Angeles im Vergleich mit dem von Moskau nach Dublin?“

Nick Flessa: „Dann merke ich den Unterschied. Ich habe in Paris studiert. Und bin, selbstverständlich, viel durch Europa gereist. So auch jetzt. Hier in Europa ist die Aufmerksamkeit eine andere, man kreist nicht nur um sich selbst. Es ist für US-amerikanisch geprägte Gehirne kaum nachvollziehbar, was ein Konstrukt wie Europa für Chancen und Risiken birgt. Dass dabei ein gewisser Faschismus im Sinne eines zu lange verkannten Gefühls der verbeulten Überlegenheit – in den Staaten – internal inkludiert ist, steht außer Frage. Neid und Angst sind die Schmieröle.“

amusio: „Beneidet man in den Staaten europäische Verhältnisse?“

Nick Flessa: „Los Angeles ist cool – wenn man, zum Beispiel, aus Ohio stammt. So wie ich. Europa hingegen erscheint mir insgesamt als ein vielfach gelungener Versuch der Überwindung von Identitäten, die sich allein einer ungenügend vollzogenen Hinterfragung des Seins an sich verdanken…“

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