Carl Stone - Electronic Music From The Eighties And Nineties

Eine Frage der Ökonomie

Carl Stone: „Electronic Music From The Eighties And Nineties“ (Unseen Worlds)

Die überbetont sachliche Aufmachung kontrastiert mit ihrem Inhalt. Denn Electronic Music From The Eighties And Nineties (Unseen Worlds) führt fulminant Erstaunliches aus dem Fundus des zwischen Tokio und Kalifornien pendendeln „Plunderphoniker“ Carl Stone zutage. Dem Titel nach korrekt zeitlich verortet, befindet sich mit Mae Yao sogar eine Erstveröffentlichung unter den insgesamt vier Tracks eines Albums, das gleichermaßen verblüfft wie aufstrebend bestürzt.

Vorweggenommen aufgegriffene „Gesänge“ der Buckelwale, Proto-Glitch, Mozart-Samples, indonesisches Gamelan – you name it, you got it. Dennoch erweist sich Carl Stone auf seiner – auch für Einsteiger höchst empfehlenswerten – Werkschau als Meister der Ökonomie, die ja bekanntlich irgendwann ins Theologische abdriftet. Das Wunderwerk von Erosion und Entropie austarierend, wird vieles zugemutet, ohne als Zumutung diskutabel zu werden.

Das heiter-ambiente Schwelgen von Banteay Sea appelliert an zeitlos anmutende Sehnsüchte; Sonali rührt hingegen an Desideraten, die der Ursuppe elektronischer Klangerzeugung entsprungen scheinen. Etwas selbstverliebt, aber: Wer ist das nicht?!

Riuichi Sakamoto dürfte Sonali besonders schätzen, – so sich er sich auch in seinen für dieses Album verfassten Liner-Notes nicht festlegt. Dann wird es dem ersten Vernehmen nach minimal, die Anspannung steigt. Angenehm irritiert ist man geneigt, einfach immer wieder und weiter laufen zu lassen. Tendenziell tibetanische Anmutungen grüßen als ferne Assoziation.

Woo Lae Oak:
youtube.com/watch?v=ZNT0VucNmHQ

rlsto.net/Nooz
facebook.com/carl.stone.composer

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