Neue Noteneditionen

Umgeblättert

Vielerorts wird infolge der Hitzewelle der nachwachsende Rohstoff zur sommerlichen Rarität. Für Papierprodukte wie Musiknoten und Briefmarken gilt dies mehr oder weniger direkt, dabei sind Digitalisate häufig zugänglich, wo es Sinn macht: Warum sollte man schließlich nicht mit dem Smartphone offline (und ohne Klingelton versteht sich) während eines Konzerts oder einer Opernaufführung die Partitur lesen? Anders sieht es im Orchester aus, in dem sich elektronische Lösungen für Noten bisher noch nicht durchgesetzt haben. Hier sind weiterhin bestmögliche großformatige Spielausgaben gefragt.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Von Jelena Firssowa, Tochter eines russischen Atomphysikers und einer in der Repertoirekenntnis schon in jungen Jahren außerordentlich beschlagener Komponistin, erschien bei Sikorski ihre Kantate ‚Petrarca-Sonette‘ (30.9.2006, CC-Liz.)

Jelena Firssowas 1976 für Sopran und Kammerensemble komponierte Kantate Petrarca-Sonette, die Ossip Mandelstam übersetzt hat, liegen beim Hamburger Musikverlag Sikorski jetzt mit kyrillischer Textschrift und transliteriert vor. Die Komponistin lebt und lehrte seit 1991 in Großbritannien, nachdem ihre Werke und die etlicher ihrer Kolleg(inn)en über viele Jahre in der damaligen Sowjetunion ignoriert worden waren. Im selben Haus erschien nun das 4. Violinkonzert NYx: Fractured Dreams der 1973 geborenen, gleichfalls russischstämmigen, aber in den USA wirkenden Komponistin und Pianistin Lera Auerbach. Ihre Satztechnik zeichnet sich durch die Kombination von tonalen und atonalen Strukturen und insgesamt durch die freie und eigenwillige Wahl stilistischer Mittel aus.

Plastik zum Gedenken an den norwegischen Komponisten Harald Sæverud, dessen 3. Streichquartett vor kurzem in der mph-Reihe Repertoire Explorer herauskam (Cavernia, 27.4.2010, CC-Liz.)

Frisch gedruckt aus der Partiturreihe Repertoire Explorer des Münchner Notenverlags Jürgen Hoeflich (mph), die sich durch die sorgfältige und im Erscheinungsbild ausgezeichnete Herausgabe tschechischer ebenso wie skandinavischer, britischer und französischer Musik verdient gemacht hat, kam im Juli Harald Sæveruds Streichquartett Nr. 3 op. 55 auch in der Spielversion für die Einzelstimmen.

Zu Ehren von Leevi Madetoja (1887 – 1947), dessen 1. Symphonie nun bei mph neu ediert vorliegt, wurde anlässlich des 100. Geburtstags diese Briefmarke von der finnischen Post herausgegeben. (Postal Service of Finland, 1987, User:Soppakannuna 1987, p.d.).

 

 

Ebenso ist hier auf besondere Neuerscheinungen des Hauses Hoeflich hinzuweisen, etwa auf Leone Sinigaglias 1912 leider nur in verkürzter Form publizierte Orchestersuite Piemonte op. 36, die Partitur von Bantocks Hebridean Symphony und Leevi Madetojas 1. Symphonie F-Dur op. 29, die in den Jahren 1914 bis 1916 nach weiteren Lehrjahren in Wien, Paris und Berlin und während der Anfangsjahre seiner Dozententätigkeit an der Sibelius-Akademie entstand.

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.