Töne aus den Staaten: Massachusetts, New York, Kalifornien

Jenseits der Felder, die wir kennen …

Wenn’s immer so einfach wäre: Ob sich die Ausnahmepianistin Ethel Liggins aus der Grafschaft Yorkshire, die mit slawischem Künstlernamen Leginska hieß, nun zur amerikanischen oder britischen Musikprominenz rechnen lässt, ist nicht ohne weiteres zu entscheiden, denn im Zentrum ihrer Karriere und deren Dauer nach standen die Aufenthalte in Boston, New York City und Los Angeles, wo sie schließlich bis zum Ende ihres Lebens blieb. Da sie in Sachen Klavierkonzert überwiegend zwischen den großen Häusern der Vereinigten Staaten, Großbritanniens und Frankreichs tourte, spielte sich ihr wenn auch professionell erarbeitetes Schaffen als Komponistin eher im Hintergrund ab.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Der Titel eines Gedichts von Lord Dunsany ‚Beyond the Fields We Know‘ inspirierte Ethel Liggins (1886 – 1970) zu dem gleichnamigen großen Orchesterwerk (Ian Paterson, UK, Hall farm roofs beyond the field, 2.6.2007, CC-Liz.).

Allerdings schrieb die Solistin, die Schubert, Liszt und Rachmaninoff einst in den Studios von Columbia Records einspielte, (neben Kammermusik, Opern und Liedern) vier nachhaltig erfolgreiche Orchesterwerke: Nach der symphonischen Dichtung Beyond the Fields We Know nach einem Gedichttitel von Lord Dunsany, die in New York Anfang der 1920er Jahre entstand und noch zu ihrer in der bayerischen Hauptstadt begonnenen Phase als Dirigentin zählt, komponierte Ethel Liggins Quatre sujets barbares, die in München im Dezember 1924 uraufgeführt wurden, nach Motiven des Malers Paul Gauguin. Dem französisch-amerikanischen Dirigentenkollegen Pierre Monteux hatte sie Two short pieces für Orchester zugeeignet, die im Februar desselben Jahres in Boston erstmals erklangen. Nur wenig später, am 3. Januar 1926, folgte die Uraufführung ihrer Fantasie für Klavier und Orchester, nachdem sie selbst ein Jahr zuvor ihr Debüt am Dirigentenpult der New Yorker Carnegie Hall gegeben hatte.

Pianistin, Komponistin, Durchsetzerin von Frauenrechten (nicht nur) in der Musik und Dirigentin: Ethel Leginska am Klavier (George Bantham Bain collection, American Libr. of Congress, US p.d.)

Das Pendeln zwischen den amerikanischen und europäischen Metropolen in drei fundiert erworbenen Musikerberufen mochte ihrer Gesundheit nicht immer zuträglich gewesen sein, jedenfalls legte sie nach 1926 eine Pause ein und verlegte den Schwerpunkt ihres Wirkens außer den Auftritten auf die pädagogische Arbeit und einige aufsehenerregende Gründungen: Nachdem sie dem Boston Philharmonic Orchestra auf die Beine geholfen hatte, rief sie dessen Partnerinstitution, in der nur Frauen musizierten, ins Leben. Beinahe zur selben Zeit nahm sie auch Auftritte mit dem Chicago Women’s Symphony Orchestra wahr.

In der New Yorker Carnegie Hall nach dem Verlassen aller Plätze … Hier debütierte Ethel Leginska alias Liggins 1925 am Pult (Isaac Stern Hall, 11.3.2008, Wholtone, p.d.).

 

 

 

 

 

Noch in fortgeschrittenem Alter dirigierte Liggins ihr eigenes kleines und nach ihr selbst benanntes Symphonieorchester. Erstaunlich ist aber, mit welcher Energie die vielfachbegabte Musikerin die Karrieren ihrer Studenten vorantrieb, allen voran diejenigen Daniel Pollacks, Bruce Sutherlands und Gavin Williamsons.

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!

Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.