Reidy, Tomlinson, Block

Annäherungen ans Erahnte

Julia Reidy: „Beholder“ (A Giude To Saints)

Aus dringendem Anlass – der akuten Ausdifferenzierung zwischen Velleität und Affekt – anbei einige Hinweise für diejenigen, die des Lesens und Zuhörens noch nicht überdrüssig geworden sind. Für diejenigen, die es zu akzeptieren verstehen, dass Musik nichts weiter als eine nahezu greifbare Spiegelung all dessen ist, was wir im Gegenlicht zu wissen glauben. In nomine matris.

Julia Reidy Beholder (A Guide To Saints)

Das vielleicht schönste Orchester ist – die Gitarre! Als Vademecum einst etabliert, erweist ihr Julia Reidy eine Aufwartung, die im Glanz purer Aufklärung zur Verklärung verführt. Auf ihrem Album, – welches dazu taugt, fortan jegliche Anmaßung des Artistischen infrage zu stellen, – entwirft sie einen Ausblick. Auf jenseitige Unabwägbarkeiten. Teils vertraut, teils völlig daneben. Man möchte in den Korpus ihres Instruments hineinwachsen. Dorthin ranken – und dort wahren. Jeder Saitenschlag ein Appetithäppchen. Auf alles, was da noch so kommen mag. Jegliche Angst verflüchtigt sich. Mike Oldfield dürfte Beholder kennen, schätzen und lieben.

facebook.com/julia.reidy.5

Vanessa Tomlinson: “ A Space Inside“ (A Guide To Saints)

Vanessa Tomlinson A Space Inside (A Guide To Saints)
Das Spiel mit Instrument und Wirkung gelingt Vanessa Tomlinson hier auf vorzügliche Weise. Mag ihre Versessenheit auf das Beben der Felle (Basstrommel) auch sklerotisch anmuten – im Effekt zeitigt sich auch hier das Wunder der Wahrnehmung. Jeder Klang bietet sich im Sinne der Bio-Diversität an. Sinn und Zweck überlappen sich. Das Bedrohliche (dessen Intention die großen Trommeln erst ermöglichte) wird derweil reduziert. Auf das Brodeln in uns, das sich immer wieder der Eruption verweigert. Selten zuvor wurde das genital-generische Hinauszögern so exakt erfasst wie auf A Space Inside.

room40.bandcamp.com

Olivia Block: „132 Ranks“ (Room40)

Olivia Block 132 Ranks (Room40)
Anders – gewiss – als etwa Anna von Hausswolff oder Franz Lambert zieht die Amerikanerin ihre Register. Und scheut sich dabei nicht, individuelle Trigger zu stimulieren. Man wende den Kopf nach oben, nach unten, nach links oder rechts: Was vertraut erscheint, wird mit sofortiger Wirkung vollständig desavouiert. Chöre, Jon Lord oder eine Pissrinne am Universitätsklinikum darf man sich gerne hinzudenken. Den nicht zu gewinnenden Kampf ums Dasein paraphrasiert Olivia Block in (noch) unerhörter Weise. Nach Strich und Faden. Mit Schwingungen, die ansonsten nur Black Metal zu erwidern weiß.

oliviablock.net

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