Rhye „Woman“ – So fangen große Geschichten an…

Manchmal ist es einfach nicht nachvollziehbar, warum einige Veröffentlichungen gehypt werden und andere mit geringem Presseecho einhergehen. Das Debütalbum „Woman“ von Rhye ist so ein Fall; allerhöchstens im Journalismus der Indie-Szene besprochen. Dabei kann man dieses Werk im CD-Regal bequem neben Feist und Sade einordnen – für ein Debüt ziemlich eindrucksvoll, oder? Es kann also nur Schicksal gewesen sein, dass sich der Däne Robin Hannibal und der Kanadier Mike Milosh begegnet sind. Zusammen haben sie ein zeitloses Soul-Album kreiert im Stil großer Hollywood-Soundtracks und doch ganz minimalistisch mit einigen Überraschungen.

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Die größte Verblüffung gleich zu Beginn:

Diese wundervoll-seufzende Stimme gehört einem Mann! Der Elektro-Musiker Mike Milosh mit dem androgynen Alt-Organ ist darüber hinaus auch noch klassisch ausgebildeter Cellist. Dem Wahlberliner hätten Frauenstimmen schon immer mehr zugesagt, verrät er. „Das mag daran liegen, dass sie so etwas Beruhigendes haben. Etwas Tröstendes. Geborgenheit ist es vielleicht.“ Alle diese Eigenschaften verkörpert seine Stimme zumindest auf dem Debütalbum des dänisch-kanadischen Duos.

Robin Hannibal, die andere Hälfte von Rhye, ist Musiker und Produzent der dänischen Electronic-Soul-Band Quadron. Als für die Song geremixt werden sollte, kam man auf Milosh. Und so fangen große Geschichten an. Das war sozusagen Liebe aufs erste Hören. Hannibal und Milosh verstanden sich auf Anhieb, hatten die gleichen melodischen Vorlieben und den Anspruch, Musik zu machen, die einfach nur schön ist.

Das intime Debütalbum "Woman" von Rhye / Foto: Universal Music

Das intime Debütalbum „Woman“ von Rhye / Foto: Universal Music

Und das ist ihnen mit ihrem gemeinsamen Debüt „Woman“ gelungen. Die Klänge auf dem Album sind insgesamt sehr intim, was sicherlich auch der Konzentration des Duos aufs Wesentliche entspringt. „Wir haben immer mehr weggenommen, bis der eigentliche Kern des jeweiligen Songs wie bei einer Skulptur zum Vorschein kam – wie aus Stein gemeißelt“, erzählt Milosh von der Kollaboration, die in einer kleinen Wohnung im Norden von Los Angeles stattfand. Auch die Aufmachung des Albums entspricht dieser Einstellung: Wie die ersten CDs Ende der 1980er Jahre kommt „Woman“ schlicht daher mit weißem Cover und schwarzer Schrift und lediglich zwei s/w-Fotografien.

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Über Kathrin Tschorn

Kathrin Tschorn | Freiberufliche Musikredakteurin und Lektorin, beheimatet in Berlin. Stets Musik aus den Bereichen Pop, Rock, Indie, Jazz sowie allem dazwischen auf den Ohren und eine Tastatur unter den Fingern.