Basis abendländischer Intervallmessung

Die griechische Monochordlehre und ihre Folgen

Um es vorweg zu klären: Das Monochord und seine Skala mit den sechs perfekten Oktaven wurde lange Zeit dem vorsokratischen Philosophen und Mathematiker Pythagoras zugeschrieben, Belege für diese Behauptung fehlen aber.

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Die Skala des Monochords umfasst sechs perfekte Okatven (Hyacinth, JBarta, 20.2.2013, CC-Liz.).

Fest steht jedoch, dass die Tonabstände der Klaviatur mit ihrer „temperierten“ Stimmung, wie wir sie heute kennen, nicht die absolute mathematische Exaktheit des antiken, auch „kanon“ genannten und über das Mittelalter transportierten Monochords, das auch physikalischen Zwecken diente, aufweisen. In seiner Bedeutung für die Musikentwicklung kann es nur noch das Metronom als Rhythmus(kontroll)gerät aufnehmen.

Das Monochord: Exakter Intervallmesser der Antike, vielleicht schon aus der Zeit vor der athenischen Demokratie (Deutsches Museum München, 23.7.2017, Bautsch, CC-Liz.)

Dabei handelt es sich, wie der Name zusammengesetzt aus mónos und chórde sagt, um nur „eine gespannte Saite“ in einem rechteckigen Resonanzkasten, wobei die seitliche Messlinie die Teilungspunkte für die Klangdemonstration der Intervalle abbildet. Die Tonstufen wurden anhand der Proportionen der Saitenabschnitte bestimmt: Die Oktave beruht auf dem Zahlenverhältnis 2:1 die Quinte auf 3:2, die Quarte auf 4:3, der Ganzton auf 9:8. Leider besitzen wir heute nur ungefähre Angaben zum Bau des alten Messinstruments, das freilich die Grundlage zum Bau besaiteter Tasteninstrumente für die Musizierpraxis bildet:

„Modernes“ Monochord beim Stimmen (Pia Lier, 6.4.2013, CC-Liz.)

Auf das Polychord folgte das Clavichord, der Urahn ist das Monochord mit einer Tastenreihe nach dem System von Guido von Arezzo. Damit erfüllt das commune clavichordium – beschrieben um die Mitte des 15. Jahrhunderts – als Vorgänger des barocken Hausmusikinstruments sozusagen als erstes eine Hybridfunktion zwischen Intervallmessgerät und Medium zum Zweck des Musizierens. Über seine vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten berichtete Conrad von Zabern in seinem Opusculum de monochordo, das zwischen 1462 und 1475 im Druck erschien. Monochorde wie Polychorde werden übrigens auch heute in der Musikmeditation und -therapie genutzt.

Literatur u.a.

Jan Dosch, Tonius Timmermann: Das Buch vom Monochord: Hören – Spielen – Messen – Bauen. 2005 (ISBN-13: 978-3895003011).

Einspielung

Mikhael: Silences. Meditations with Monochord (remastered). Mikhael 2012. ASIN: B009ZUXWAQ

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.