Töne aus den Staaten: Arkansas, Massachusetts, Georgia, Illinois

„Very First Lady“ der afroamerikanischen Symphonik

Den gesellschaftlichen Vorbehalten gegenüber der schwarzen Bevölkerung der USA geschuldet gelang deren Professionalisierung – oft unter großen persönlichen Mühen und Selbstaufgabe – im Bereich der klassischen Musikszenen erst im Laufe des 19. Jahrhunderts. Die erste afroamerikanische Frau, die eine Symphonie schrieb, war die 1887 in Little Rock geborene begnadete spätere Komponistin, Musikerin und Hochschullehrerin Florence Beatrice Smith. Beinahe noch früher als Mozarts startete ihre Karriere mit vier (!) Jahren, als sie, ermutigt durch ihre Mutter als erste Klavierlehrerin zum ersten Mal öffentlich auftrat. In der Elementarschule wurde der Unterricht bei der in der kulturellen Emanzipation maßgeblichen Charlotte Andrews Stephens fortgeführt.

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Beim Label Albany Records erschien 2011 eine ausgezeichnete Aufnahme des New Black Music Repertory Ensemble unter der Leitung von Lesley B. Dunner und mit Karen Walwyn am Klavier (ASIN: B00631LTFA).

Die früh erkannte Begabung äußerte sich auch musikschöpferisch: Schon im Alter von elf Jahren sah Smith ihre erste Komposition veröffentlicht. Mit 16 kam sie an das New England Conservatory nach Boston, wo sie bei dem Organisten Wallace Goodrich und in den theoretischen Fächern bei Frederick Converse und George Whitefield studierte. Leider fand  ihre anfängliche Karriere – seit 1906 als Dozentin am Shorter College in Arkansas und anschließend an der Clark Atlanta University – nicht fortsetzen, da sie infolge ihrer Heirat mit dem Rechtsanwalt Thomas J. Price nach Little Rock, in ihre Geburtsstadt, zurückzog und sich neben Privatunterricht dem Komponieren widmete. Daraus ging 1925 ihre 1. Symphonie e-Moll hervor, die erste Symphonie einer Komponistin afroamerikanischer Musik, die überhaupt bekannt wurde. Infolge von Rassenunruhen sah sich das Paar gezwungen, nach Illinois umzusiedeln.

Florence Price (1887 – 1953) trug wegweisend sowohl zur afroamerikanischen Symphonik als auch Kammermusik, Klavier- und Orgelmusik und Liedkunst bei (AETN.org, 6.9.2015, CC-Liz.).

Die ehrgeizige Musikerin studierte in Chicago am Musical College weiterhin Komposition bei Carl Busch und Orchestrieren bei Wesley La Violette, während sie Erfolg mit der Fantasie Nègre für Violine und Klavier und vor allem mit der 1. Symphonie feiern konnte, die ihr den Rodman-Wanamaker-Preis einbrachte. Nach der Scheidung von Price arbeitete sie als Klavierlehrerin weiter, betätigte sich als Stummfilmorganistin, orchestrierte Radiostücke und komponierte unter dem Pseudonym Vee Jay populäre Lieder und Tänze.

Es sollte angesichts bloßer biographischer Daten nicht übersehen werden, dass Florence Smith, verheiratete Price, Wesentliches zur Orgel- und Klaviermusik der Jahre vor und nach dem New Yorker Börsencrash beitrug: So entstanden At the cotton Gin für Klavier (1928), im selben Jahr The waltzing fairy, Orgelsonaten, Kammermusik wie die Suite für Blechblasinstrumente und Klavier, vier weitere Symphonien einschließlich der Mississippi River Symphony, Klavierkonzerte und ihre Suite of Negro Dances.  Auch im Bereich des folkloristischen Liedes und des Kunstliedes brachte sie Bedeutendes hervor: Fantasy in Purple, den Song To my little son und im hochproduktiven Jahr 1934 Dreaming town für Stimme und Orchester. Die Hauptthemen ihrer Werke bilden die harte Arbeit der afrikanischstämmigen Plantagenarbeiter aus Sklavenfamilien, schwarzer Tänze, Folklore, Landschaft, Natur und dem privaten Bereich.

Konzerte zum Werk von Florence Beatrice Price

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.