Töne aus den Staaten: Alabama und andernorts

Klangerzeuger – made in USA

Das Schrubben auf dem Waschbrett mit der Absicht rhythmischer Grundierung ist wohl nur das banalste Beispiel für originäre Musik vom amerikanischen Kontinent. Hingegen dürfte der Waschwannenbass, insbesondere unter dem deutschen Begriff, nicht überall ein Begriff sein. Das einfache stangenförmige Zupfinstrument erinnert ein wenig an das im 17. Jahrhundert von der Bildfläche verschwundene Trumscheit, allerdings läuft es nach unten nicht zylinderförmig, sondern wie ein runder Spazierstock stielförmig aus.

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Washtub-Spieler Kianti Ecolove mit einer kleinen Variante des Instruments (Raquel Fitley, 16.10.2013, CC-Liz.)

Der hervorgebrachte Ton des Washtub Bass ist allerdings dem schnarrenden des Trumscheit nicht ganz unähnlich. Es wurde  zunächst beim US-Folk eingesetzt, eine metallene und verzinkte Badewanne diente als Resonanzkörper, um mit dem weiteren Instrumentarium auf Ohrenhöhe zu bleiben. Weltweit kamen diverse Varianten dazu, etwa als Bush Bass in Australien, das südafrikanische Babatoni oder als vietnamesisches Dan Bau.

Aus der entfernt verwandten Zither-Familie stammt die Dulcitar, eine wie die Gitarre beim Spielen gehaltene Variante der in den Appalachen entstandenen, diatonisch gestimmten Dulcimer. Luthier Homer Ledford baute 1971 das erste, fünf Jahre später patentierte Exemplar, das seinen Weg sogar in die Dauerausstellung des Smithsonian-Institut fand. Eines der frühesten von Schwarzen in den USA entwickelten Instrumente gilt der Jug, wobei es sich um eine Art Tonkrug handelt, der seitlich unter dem Kinn berührungslos (!) geblasen wird, während der Ausführende wie nebenan auf dem Bild der Banjospieler gleichzeitig ein anderes Instrument spielen kann. Der Jug diente vor allem Anfang des 20. Jahrhunderts als Begleitbass in Blues-Formationen.

Von antiquarischem, musealem Wert und immer noch spielbar: Die gewaltige Wurlitzer-Kinoorgel („Theatre Organ“) im Alabama Theatre, Birmingham, Jefferson (Library of Congress Prints, 1996, US p.d.).

Auch die in den USA zuerst gebaute Kinoorgel hat schon ein gewisses Alter erreicht: Sie kommt aus der Stummfilmära, in der Musik erklärend, Stimmung evozierend und begleitend zum Einsatz kam. Häufig verfügt das ziemlich große elektrisch-pneumatisch betriebene Pfeifeninstrument über mehrere Manuale und eine Trommel mit ebenso pneumatisch betriebener Trommel. Da es darum ging, ein ganzes Orchester zu ersetzen, verfügte die legendäre Wurlitzer-Orgel über zusätzliche Effekte: Mit besonderen Registern konnte Hufetrappeln imitiert werden, ebenso Telefonklingeln, Donnerrollen und vieles mehr.

Waschbrett-Spieler mit Kazoo-„Ansingtrommel“ auf einem Festival (Park07, Masayuki, 13.11.2004, CC-Liz.)

 

Neben dem allgegenwärtigen Banjo sollte die Kazoo-„Pfeife“ nicht unerwähnt bleiben: Durch eine Pergament- oder Fischhautmembran wird der Klang mittels Anpfeifen initiiert, es handelt sich also um eine „Ansingtrommel“, deren Spieltechnik Ähnlichkeiten mit dem Kammblasen hat. Eine Membran auf solche Weise in Schwingung zu versetzen, wird in Afrika seit Jahrhunderten praktiziert; nicht zuletzt wegen des saxophonverwandten, allerdings verzerrten Klangs war es im frühen Jazz sehr gefragt, dient aber heute mehr als Gag mit Überraschungseffekt …

Siehe auch:
Amerikanische Musikinstrumente im Metropolitan Museum of Art

 

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.