Marianne Faithfull - Negative Capability

Oden ans Leben

Marianne Faithfull: „Negative Capability“ (BMG)

Da schert die Grande Dame der pop-historischen Schattenseiten ein erstklassiges Team aus Schreibern und Produzenten um sich (Nick Cave, Rob und Warren Ellis, Mark Lanegan) um sich – und greift auf ihrem exzellenten Album Negative Capabilty (BMG) dennoch ihren bekanntesten Song auf: As Tears Go By. Doch auch dieser Rückgriff erweist sich als kluge Entscheidung.

Denn diese insgesamt dritte Einspielung des Klassikers schließt nahtlos zur gebotenen Qualität von Negative Capability an. Nie klang As Tears Go By ergreifender, weiser. Aus Erfahrung intoniert, statt oktroyiert – wie anno 1965. Doch diese bemerkenswerte Reminiszenz an die eigenen Anfänge (zu der sich auch noch ein weiteres It’s All Over Now, Baby Blue gesellt) kann nicht über die beeindruckend alterte Manier hinwegtäuschen, mit der Marianne Faithfull auf diesem Album eine persönliche Bilanz ihres bisherigen Lebens zieht.

Doch bei aller melancholisch verklärten Nostalgie – und hierin liegt der vielleicht größte Vorzug von Negative Capacity begründet – bleiben ihr Vortrag sowie die erlesenen, zumeist minimal gehaltenen Arrangements stets offen für eine geschmeidige Einfühlung des Hörers. Will sagen: Auch wenn die Stimme wie gewohnt brüchige Dominanz verströmt, eröffnet sie zugleich Räume, die von ihrer Persönlichkeit abstrahieren lassen.

Atmosphärisch erstaunlicherweise eng mit dem 1995 an der Seite von Angelo Badalamenti entstandenen Großwerk A Secret Life verwandt, offenbaren sich auf Negative Capability zehn tiefschürfende Oden ans Bedauern, an den Schmerz, ans Leben.

The Gypsie Faerie Queen, feat. Nick Cave:
youtube.com/watch?v=ndseNmYb4s0

mariannefaithfull.org.uk

 

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