Maze & Lindholm / Hans Castrup

Exempel der Verstörung

Maze & Lindholm: „Where The Wolf Has Been Seen“ (Aurora Borealis)

Zwei besondere Empfehlungen für aufrichtige Genießer von Andacht und Erschütterung: Während das aus Brüssel stammende Duo Maze & Lindholm auf seinem Album Where The Wolf Has Been Seen (Aurora Borealis) aus kontemplativem Rigorismus schöpfen, vertraut der Osnabrücker Künstler Hans Castrup auf seiner Veröffentlichung Das 7. Siegel (Submarine Broadcasting Company) auf das Potenzial expressiver Zermürbung.

Der Drone-Neoklassik-Komponist Otto Lindholm dringt gemeinsam mit dem ansonsten vornehmlich bei Orphan Swords beschäftigte P.Maze auf der ersten gemeinsamen Veröffentlichung zu Beginn dicht an die Grenze zum Schönklang. Dass sich dieser als trügerisch erweisen muss, liegt indes nahe. Die anscheinend betuliche Konfrontation von Kontrabass und Electronics vermitteln zunächst subtil, dann zunehmend entschiedener eine kontinuierliche Verschiebung vom Baren zum Grauen. Als ob eine Meditation zur Revitalisierung jeglicher Ängste führen würde, denen man doch eigentlich in der Klausur eines „stillen Kämmerleins“ zu entgehen trachtete.

Nein, diesem Braten, den Maze & Lindholm hier auftischen, ist nicht zu trauen. Er steckt voller Tücken, Schrot und Eisenspäne. Dies wird bereits im zweiten Teil des insgesamt vierhebigen Werks deutlich, wo der Drone den Weg ins unterbewusste Dunkel weist, wo die Mahre harren. Oder auch direkt ins grelle Hell einer sengenden Sonne, die langsam aber sicher verbrennt, was sie einst zum Leben erweckte. Ganz nach Geschmack. Aber in jedem Fall eine Erfahrung wert.

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