Vergessenes und völlig Neues auf dem CD-Markt

Offene Kryptogramme

Morgen ist es soweit: Das Label Solo Luminus entlässt unter dem Motto AEQUA, drei der neuesten Werke der Isländerin Anna Thorvaldsdottir aus musikpädagogischer Familie, via Distributoren in den akustischen Äther. Wiederum handelt es sich bei den ersten beiden um hochindividuelle Kompositionen für eine größere Formation, deren akribisch ausgearbeitete Faktur durch fein nuancierte und eigentümliche Klangereignisse auf lyrischer Basis bestimmt wird.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Drei bedeutende Kompositionen der Isländerin Anna Thorvaldsdottir sind hier vereint (Aequa, B07GR2G8WX, Solo Luminus 2018).

Neben den zwei Hauptstücken der aktuellen Einspielung, geleitet von Steven Schick und ausgeführt vom International Contemporary Ensemble ist außerdem ein Werk für Klavier allein zuhören, das hier von Cory Smythe gespielt wird.

Wenig bekannt ist die venezianische Kirchenmusik von Diogenio Bigaglia. Miserere und Messe in F-Dur finden hier erstmals den Weg auf den Tonträger (B07J33SHJM, Rondeau 2018).

Weltpremiere feiert mit Erscheinungsdatum 23. November 2018 die Aufnahme des klangschönen Miserere und der Messe F-Dur von Diogenio Bigaglia (1676 – 1745). Der Venezianer arbeitete in der Benediktiner-Abtei San Giorgio Maggiore, sehr viel mehr biographische Daten sind von ihm nicht zu erhalten. Dafür stimmte sich der Knabenchor Hannover mit dem Ensemble La Festa Musicale im baulich äußerst musikadäquaten Bau der Kirche im Stephansstift der niedersächsischen Landeshauptstadt ein. Das Ergebnis ist dementsprechend hörenswert, auch dank der Solist/inn/en Veronika Winter und Magdalene Harer, beide Sopran, unter anderen dem Countertenor Alex Potter und Basssänger Markus Flaig. Ergänzt wird der Gang durch die venezianische barocke Kirchenmusik durch ein Credo von Antonio Lotti.

Bereits Ende September lag mit Du Bout des Yeux das neueste Album der niederländischen Chansonnière Charlotte Haesen vor, die 1987 in Amsterdam das Licht der Welt erblickte. Sie wuchs allerdings im französischsprachigen Teil des benachbarten Belgien auf und studierte Jazzgesang an der Universität der Künste ihrer Geburtsstadt. Zusammen mit der Bratschistin Odile Torenbeek, die sie dort kennenlernte, stellte sie nun ein Chansonprogramm mit Streichquartettensemble auf.

Charlotte Haesen widmet sich auf der Neuaufnahme nicht nur den ganz bekannten Größen des Chanson bis an die Schwelle des 21. Jahrhunderts (B07G1ZS37Z, Challenge 2018).

Es folgte die Gründung des Café des Chansons, das sich aus Charlotte Haesen und vier Musikern des Netherlands Philharmonic Orchestra rekrutierte. Auf der CD erklingen die zu Klassikern geronnenen (einst) populären Lieder nicht nur von Charles Aznavour und Jacques Brel, sondern auch von hierzulande wenig bekannten Chansongrößen wie Léo Ferré, Miarka Lacaperie, Claude Nougaro und Gérard Jouannest, die bald um und nach der Mitte des 20. Jahrhunderts ihre großen Erfolge feierten.

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.