Laibach - The Sound Of Music

Verschobene Sichtachsen

Laibach: „The Sound Of Music“ (Mute/Rough Trade)

Die überaus skurril anmutenden Umstände, die das neue Album des slowenischen Künstlerkollektivs begründeten, dürften sich inzwischen zu Genüge herumgesprochen haben: Offizielle Einladung nach Nordkorea, im August 2015 tatsächlich strikt regulierte Konzerte vor Ort – vornehmlich mit dem Liedgut des auch von Kim Jong-un geschätzten reaktionären US-Kitsch-Musicals The Sound Of Music (dt. Meine Lieder – meine Träume, 1965) ausgestattet und bestritten. Auch das ganze Drumherum wurde bereits anhand des letztjährig erschienenen Films Liberation Day hinreichend dokumentiert. Konzentrieren wir uns also kurz auf die Güte des Albums.

Insbesondere fällt an The Sound Of Music (Mute/Rough Trade) eine für Laibach eher untypische Zurückhaltung auf: hinsichtlich des systemisch immanenten Bombasts sowie der ironisch gebrochenen Staatstragenheit. Es will gar den Anschein haben, als hätten die Verantwortlichen dafür Sorge getragen, dass der hypokritischen Harmlosigkeit des Ausgangsmaterials – und seiner mit ihm verbundenen Wirkungsgeschichte – ein geradezu adäquater Ausdruck verliehen wird, samt Kinderchören (die bei Laibach indes kein Novum darstellen).

Die sich gegen eine propagandistisch heile Welt richtenden Spitzen haben die Künstler diesmal also besonders subtil gefeilt. Die Verschiebung der Sichtachsen wirkt weniger grotesk verzerrt, denn schlicht modernisiert. Beste Beispiele hierzu: Das komödiantisch verzerrte Lonely Goatheart sowie das sexistische Sentenzen unverhohlen aufs Tapet bringende Sixteen Going On Seventeen (grandiose Performance von Sänger Milan Fras). Es sind also vergleichsweise dezente Überformungen, mit denen Laibach hier operieren.

Laibach: „The Sound Of Music“ (Mute/Rough Trade)

Abgerundet – und somit an Seriosität gewinnend – wird das Album von einer Piano-Version der inoffiziellen Hymne beider koreanischer Staaten (Arirang), einer mit billigem Disco-Streicher-Charme untermalten Huldigung an die traditionell koreanische Zither (The Sound Of Gayageum) – sowie der erstaunlich locker verfassten Begrüßungsansprache eines gewissen Mr. Ryu vom nordkoreanischen Komitee für kulturellen Austausch. Ebenso locker lassen es auch Laibach angehen – ganz im Gegensatz zum extrem wuchtig und finster gehaltenen Vorgänger, dem Zarathustra. Mangelnde Flexibilität kann man diesen stets ungemein durchdacht agierenden Musikern sicherlich nicht zum Vorwurf machen.

The Sound Of Music:
youtube.com/watch?v=2oD0W6SSBUA

The Lonely Goathert:
youtube.com/watch?v=5jqOSDq0Ssc

My Favorite Things:
youtube.com/watch?v=EavTye99eZA

Die Tour zum Album führt Laibach in acht deutsche Spielstätten:

26.02. Leipzig (Schauspielhaus)
27.02. Frankfurt / Main (Mousonturm)
28.02. Bochum (Christuskirche)
06.03. Hamburg (Kampnagel)
16.03. Rostock (Volkstheater)
17.03. Berlin (Admiralspalast)
18.03. München (Muffathalle)
20.03. Nürnberg (Z-Bau)

laibach.org

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