Die Adventszeit 2018 in München

Ankunft mit Wegmarken

Weihnachts- und damit wohl auch Adventsmusik steht derzeit, wie mancher zivilisationskritische Cartoon ohne langes Federlesen dokumentiert, bei vielen nicht hoch im Kurs – vielmehr häufig auf dem Index des guten Geschmacks. Ist die Ursache dafür auch in den Kirchenaustritten zu sehen? Dennoch verläuft der Weg, wie etwa München mit etlichen Klassikveranstaltungen in den nächsten vier bis fünf Wochen zeigt, in geistlichen wie angemessen weltlichen Wegmarken, auch auf höherem Niveau.

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Sie wird selten gespielt, aber zur Bach-Trompeten-Gala am 23.12.2018 von Edgar Krapp höchstpersönlich: die große Orgel von G. F. Steinbacher & Co. (1962) im Herkulessaal der Münchner Residenz (Erwin Meier, 3.6.2017, CC-Liz.).

… zum Beispiel einmal nicht mit je fünf Terminen für den Nußknacker sowie Hänsel und Gretel, sondern mit ernsterer und vorfestlicher Chormusik aus Großbritannien, Brexit hin oder her: Viele Jahrhunderte zurück reicht die Tradition der Knabenchöre im Vereinigten Königreich, ganz vorne steht in der Gunst des immer noch gesamteuropäischen Publikums der Chor von Westminster Abbey. Am 7. Dezember 2018 um 19.30 Uhr lässt dieser Werke von Purcell, Händel und Elgar im Prinzregententheater erschallen, womit die ehrwürdige Kirche, ein bisschen ungewöhnlich für die Verhältnisse hierzulande, den Weg ins weltliche Opernhaus findet. Leider sind nur die Kartenpreise nicht für jeden, der mit Muße und Andacht „in der [nur auf dem Land] ruhigsten Zeit des Jahres“ Musik hören möchte, erschwinglich, was nicht alleine für diese Veranstaltung gilt.

Abseits vom Advents- und Weihnachtsrummel der bayerischen Hauptstadt? Riccardo Muti dirigiert am 17. Dezember bekannte Werke W.A. Mozarts und Bruckners (Andreas Praefcke, Ende der Pfingstfestspiele Salzburg, Mai 2008, GNU Free Doc. Lic.).

Jedenfalls bei den großformatigen Konzerten ist durchaus eine Absenz des üblichen Liedgutes in der Vorweihnachtszeit zu konstatieren: Während Arabella Steinbacher am Montag, den 10. Dezember in der Philharmonie am Gasteig mit dem London Philharmonic Orchestra nicht völlig unerwartet Brahms‘ Violinkonzert D-Dur gibt und Bruno Ganz ganz unorthodox am Dienstag, den 11., begleitet vom Delian Quartett den Zauber des Orients beschwört, die kulturelle Integration fördert, gastiert Maestro Riccardo Muti mit seinem Lieblingsorchester, den Wiener Philharmonikern, am Montag, den 17. Dezember um 20 Uhr mit Mozarts Flötenkonzert G-Dur KV 285c und – in München nicht gerade eine Seltenheit – Bruckners Symphonie Nr. 7 E-Dur im größten Konzertsaal der Stadt.

Am 23. Dezember 2018 wird er anlässlich des Konzertes der Hofkapelle München um 19 Uhr vorweihnachtlich-festlich beleuchtet (und beschallt) sein: der Kaisersaal der Münchner Residenz (Soluvo, 29.9.2012, CC-Liz.).

 

 

 

 

Zunftgemäß weihnachtlich wird es erst mit der Bach-Trompeten-Gala am Sonntag, den 23. Dezember – nachmittags um 16 Uhr – im Herkulessaal der Residenz. Gespannt darf man auf das Programm der von Pauken umwirbelten Blechbläser sein – wie München selbst stolz darauf sein darf, dass ein versierter Kenner barocker Orgelmusik, Edgar Krapp, dazu wiederum die Tasten des großen Insruments schlägt, übers Jahr gesehen eher eine Rarität im Herkulessaal. Die Leitung liegt in den bewährten Händen von Arnold Mehl. Wer es vor dem Weihnachtsoratorium zum Heiligen Abend noch mit der Vorklassik und Wiener Klassik halten möchte, sei auf das Konzert der Hofkapelle München im völlig anders klingenden Kaisersaal der Residenz um 19 Uhr desselben Tages hingewiesen. Abwechselnd widmen sich die Musiker konzertanten Werken Cannabichs und Mozarts.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.