Charlotte Gainsbourg im Gloria, Köln

Kollektive Klasse

Charlotte Gainsbourg in Köln (Stephan Wolf)

Zum Abschluss ihrer diesjährigen Live-Aktivitäten gibt sich Charlotte Gainsbourg – beim einzigen Konzert auf deutschem Boden anno 2018 – im ausverkauften Gloria Theater die Ehre. Gleichermaßen überzeugend wie überraschend. Denn anstatt sich als absoluter Fixpunkt des Geschehens zu gerieren, interagiert sie spannungsreich und entspannt zugleich mit ihrer exzellent eingespielten Band, deren Mitglieder sich allesamt mit spielerischer Finesse und raumgreifender Präsenz auszeichnen. Dass Charlotte Gainsbourg dennoch auch ihre Qualitäten unter Beweis zu stellen versteht, spricht für ihr Selbstverständnis, eben bei weitem nicht nur eine profilierte Schauspielerin zu sein, die zudem auch noch singt.

Glasklar und immens druckvoll überträgt die PA das Geschehen auf der anhand von eckigen Leuchtröhren optisch reizvoll aufgeteilten Bühne. Anfänglich droht die bevorzugt hauchend bis brüchig intonierte Stimme des Stars in dieser massiven Wall Of Sound unterzugehen, doch weiß sie sich rasch durchzusetzen. Dabei stets flankiert vom Background-Gesang der Herren an Gitarre, Keys und Sequencer, vor allem aber von der gesanglichen Eloquenz einer sie stets umgarnenden Zweitstimme, die bei Bedarf selbst die Gefilde eines Countertenors in Angriff zu nehmen wagt.

Für die besonders knackige Klangwürze im Detail sorgt durchgehend Monsieur Saint DX (welcher auch das Vorprogramm bestreitet), der sich als Zeremonienmeister am Bord der modular arrangierten Eloquencer erweist. Von Hand geschraubt, verleiht er den Songs eisigen Schliff und humorigen Pfiff. Und überhaupt die Songs, vornehmlich des aktuellen Albums Lost: Live entfalten sie ihre volle Pracht, da sie hier dem doch zumeist eher kühl gehaltenen Design der Album-Arrangements die heiße Schulter zeigen. Und wenn gegroovt wird – Sylvia Says, Les Oxalis – dann richtig!

Wo ist Charlotte? Im Gloria Theater, Köln (Stephan Wolf)

Und Charlotte? Fügt und setzt sich ein, sachdienlich für das Kollektiv. Vollkommen frei von jeglichen Allüren oder aufgesetzter Koketterie. Das mag so manchen Beobachter zunächst überraschen. Bevor auch er sich dem Sog des Gebotenen nicht mehr länger entziehen kann. Nein, Charlotte Gainsbourg legt es nicht darauf an, den ständigen Blickfang zu geben. Das macht sie sympathisch. Auf eine charmante Weise nahbar. Denn offenbar ist auch sie „nur“ eine Musikerin, die sichtlich Spaß daran hat, zu zeigen, was sie kann. Und das lässt am heutigen Abend – auch für die Zukunft des Electro-Chanson – nur Allerfeinstes erahnen.

charlottegainsbourg.com
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