Vertraute und ungewohnte Klänge in der Alten Aula Heidelberg

Beim Bläser-Kammermusikabend mit Studierenden der Bläser- und Schlagzeugklassen der Mannheimer Musikhochschule kamen vertraute, aber auch viele ungewohnten Töne zu Gehör.

Einen Ohrenschmaus lieferten Misun Bachofner-Park und Yurie Aramaki (Oboen) und Jiyoon Oh (Englischhorn) mit Thema und Variationen von „Reich‘ mir die Hand mein Leben“ aus Mozarts Oper Don Giovanni von Ludwig van Beethoven. Die drei Holzbläserinnen bewältigten souverän und virtuos die schnellen Läufe, wofür sie starken Applaus verdienten.

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Jörge Becker (Trompete) und Thomas Weigel (Schlagzeug) interpretierten die Heptade von André Jolivet. / Foto: Dr. Roswitha Kraft

Mit der anschließenden Heptade von André Jolivet (1905 – 1974) waren die Ohren des Hörers einem totalen Kontrast ausgesetzt. Der französische Komponist komponierte 1971 die sieben Sätze für Trompete und Schlagzeug. Jörge Becker und Thomas Weigel stellten darin ihre musikalischen und technischen Fähigkeiten unter Beweis – und diese waren sehr beeindruckend. Hier ging es um Zusammenspiel, viel Dynamik, Rhythmik und Exaktheit. Der Perkussionist Thomas Weigel wechselte seine zahlreichen Schlaginstrumente inklusive Trillerpfeife ebenso rasch wie der Trompeter Jörge Becker seine Dämpfer und Mundstücke. Letzterer ließ sein Instrument immer sehr klar erklingen, auch wenn es in unermessliche Höhen ging. Im Satz „Cantante“ waren melodische Ansätze auf der Trompete zu hören, wobei Thomas Weigel zeigte, dass auf dem Schlagzeug auch zarte Töne zu erzeugen sind. Für den musikalisch ungewöhnlichen, aber ausgezeichneten Beitrag ernteten die beiden Musiker viel Beifall.

Der darauffolgende Teil des Konzerts gehörte dem Mannheimer Blech mit Tobias Bockstahler, Jan Liebermann, Erik Recklies, Stefan Ziegler (Trompeten), Benjamin Laxa (Horn), Lukas Bischof, Christian Bolkart, Seri Oh, Natsuko Watanabe (Posaunen) und Hiroki Ishizada (Tuba). Das Ensemble bereitete sich mit diesem Auftritt auf die zweite Runde des Felix Mendelssohn Bartholdy Hochschulwettbewerbs vor, der vom 16. bis 20. Januar an der UDK Berlin stattfinden wird. Gemäß den Vorgaben dieses Wettbewerbs boten die zehn Studierenden ca. 45 Minuten lang ohne Dirigat und ohne Ansagen zwischen den Stücken Alte und Neue Bläsermusik. Dies war insbesondere bei den Chagall-Impressionen des zeitgenössischen Komponisten Bernd Franke eine starke Herausforderung, welche die zehn Musiker hervorragend meisterten. Das aus sechs Sätzen bestehende Werk bezieht sich nicht auf bestimmte Bilder des Malers Marc Chagall, sondern auf dessen Formen-, Farb- und Gedankenwelt. Das Zusammenspiel der zehn Musiker funktionierte hervorragend; wie auch die Technik, die das Werk den zehn Blechbläsern abverlangte. Nach diesen ungewohnten Klängen konnte der Hörer sich bei Jan Koetsiers Sonata Praeclassica erholen. Obwohl der 2006 verstorbene niederländische Komponist auch ein Zeitgenosse ist, bezieht sich dieses Werk auf frühklassische Formen. Das Mannheimer Blech begann und schloss seine Folge mit englischen Komponisten. Zu Beginn erklang das festliche Frühbarockstück „The Earle of Oxford’s March“ von William Byrd und zum Schluss die London Miniatures des 1930 geborenen Komponisten Gordon Langford, welche musikalisch bestimmte Örtlichkeiten in London beschreiben.

Nach dem vortrefflichen Auftritt des Mannheimer Blechs lässt sich nur hoffen, dass dieses Ensemble auf jeden Fall in die zweite Runde gelangt. Denn dann kommt auch das Berliner Publikum in den Genuss dieser erstklassigen Darbietungen.

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