Töne aus den Staaten: Kalifornien, Michigan, New York

Klangdesignerin des Videospiels

Fürstenhof und Filmbabel weisen in wenigstens einem Punkt Gemeinsamkeiten auf: Künstler, die dort arbeiten, verwirklichen dort weniger sich selbst und ihre persönlichsten Interessen. Wünscht König X eine Suite fürs Ballett, (f)ordert Herzog Y eine Messe, befiehlt Regisseur Z eine synchron pedantisch an sein Filmepos angepasste musikalische Begleitung zur Unterstützung der Dramaturgie. Etwas anders verhält es sich im Falle der Werkbiographie einer heute sehr einflussreichen Kompositionsprofessorin an der University of California.

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Zum Film ‚Kung Fu Panda 2` von Jennifer Yuh Nelson und John Stephenson (2011) erschien fast zeitgleich das Videospiel, für das Laura Anne Karpman die Musik komponierte (Bild: Premiere des Films in Sydney am 13.6.2011, Eva Rinaldi, Flickr, CC-Liz.).

Laura Anne Karpman, die selbst in Los Angeles aufwuchs, praktizierte nach höchst erfolgreichen Studien in Michigan zur Finanzierung von Master und Doktorat an der New Yorker Juilliard School ebendort als Jazzmusikerin, zudem als Scat-Sängerin in Bars, was bedeutete, dass sie ihre Vokalstimme wie ein Instrument einsetzte, mit der sie „undefinierbare“ Laute, Unsinnspoesie und Geräusche passend zum Combo-Klang produzierte. Nach einigen Jahren wurde die Filmindustrie auf sie aufmerksam und sie erhielt eine Einladung zum Sundance Film Scoring Workshop in Los Angeles; gründliche Unterweisung in (satz-)technische Besonderheiten des Komponierens für die bewegten Bilder bei David Newman oder auch Shirley Walker folgten. Zunächst arbeitete sie im Anschluss dem Fernsehfilm zu und schuf 1989 den akustischen Unterboden für das Drama My Brother’s Wife, das ihre professionelle Karriere beim Film begründete, obwohl sie ebenso für die Konzerthalle wie für das Theater komponiert.

Ein weiterer prominenter Kollege von Laura Karpman auf dem Gebiet der Komposition für Videospiele ist Kevin Riepl (Dan Goldwasser, 15.3.2007, OTRS, CC-Liz.).

Regisseur Steven Spielberg, bekannt für seinen einstigen Vorstoß ins multimediale Zeitalter des Kinofilms, engagierte Laura Karpman schließlich als Komponistin für die Serie Taken (2002 …) – womit sie sie als maßgebliche Mitgestalterin auch Zugang zur Welt des Videospiels verschaffte. So bekannte Spiele wie EverQuest II (2004), Untold Legends: Brotherhood of the Blade (2005), Field Commander (2006) und Kung Fu Panda 2 (2011) verdanken einen gewichtigen Teil ihres Erfolgs der Klanggebung Karpmans, wobei gegenüber dem Film deutlich mehr an verschiedenen Stellen einsetzbare mehr oder weniger kurze „Universalscharniere“ zu komponieren waren, die dennoch dem jeweiligen dramaturgischen Gesamtkonzept gerecht werden mussten.

Zum Film „Paris kann warten“ schuf Laura Karpman den Soundtrack (DVD ASIN: B073RCL85H, 2017, Vertrieb: Tobis Film).

Zurück zum Film: 2009 trat die Emmy-Preisträgerin mit ihrer Musik zum ein wenig gewalttätigen britischen Actionthriller The Tournament hervor, 2016 mit der völlig andersartigen Komödie Paris can wait von Eleanor Coppola, in der Diane Lane und Alec Baldwin in Hauptrollen zu sehen sind. Diese jüngeren Beispiele zeugen von der außerordentlichen Versiertheit der Filmmusikkomponistin Laura Karpman in den verschieden(st)en kinematographischen Genres.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.