Musik der Karibik LVIII

Caribe vestrum – unter kubanischer Flagge

Vor ziemlich genau elf Monaten erschien das für Aufsehen sorgende Album Caribe nostrum. Gemeinsam mit ihrem gleichnamigen Quintett stellte Jenny Peña Campo dem internationalen Publikum neun nicht allzu bekannte Stücke vor, mit denen sich Nichtinsulaner in die lebendigen Szenen zeitgenössischer kubanischer Kunstmusik und traditioneller Liedpraxis hineinversetzen konnten. Die Dramaturgin, Schauspielerin und Sprecherin Johanna Wokalek inszenierte für das Ensemble einen Abend, an dem es vor allem um Spurensuche auf Kuba ging, nämlich nach dessen kultureller Eigenart und Geschichte, die europäischen Interessierten überwiegend nicht vertraut sind.

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‚Caribe nostrum‘, eine Produktion von Roberto Maza, begleitet den Hörer durch die „andere“ Welt kubanischer Musik, die zeitgenössisches wie älteres Liedgut einbezieht (ASIN: B079DVDXK2, 2018). In der Mitte: die Komponistin Jenny Peña Campo.

Zum Quartett gehören neben Jenny Peña Campo selbst der Geiger Javier Cantillo Laffita, der Violinist Osvaldo Enríquez Castro, die Cellistin Annette Antunez Guevara und – abweichend vom Streichquartett mitteleuropäischer Provenienz – der Klarinettist Aristides Porto García. Trotz des unterschiedlichen Herkommens erinnern manche der Titel auf der bereits veröffentlichten CD durchaus an Songs des Buena Vista Social Club; angeführt seien hier nur drei der neun Nummern, Cachita, Manicero und Vou vivendo, die den Zuhörer aber in musikalisches Neuland, auch jenseits von Ernesto Lecuonas populären Klavierstücken entführen.

Suite Cubana, 3. Satz ‚Rezos‘: Zum Santería-Ritual, in dem die Göttin Yermayá eine Rolle spielt, gehören auch getrommelte Rhythmen (RG72, 27.4.2017, Bembé, Mantillo, Havanna, Kuba, CC-Liz.).

 

Im Auftrag des Rheingau Musik Festivals schrieb Jenny Peña Campo übrigens auch ihre Suite Cubana, die am 1. September 2017 im Kurhaus Wiesbaden durch die Cuban-European Youth Academy mit Duncan Ward aufgeführt wurde.

Der erste Satz ist dem auf Kuba gängigen Mambo gewidmet, während die Komponistin den zweiten unter dem Motto Dos palabras (damit ist „os quiero“ – „ich liebe euch“ gemeint) ihrem eigenen Instrument, der Violine im Duett mit Streichorchester zugedachte. Um der Varianz der Stile auf der Insel in ihrer Suite Raum zu geben, richtete sie den dritten Satz Rezos an der tief im Land enkulturierten afrokubanischen Musik aus, wobei sie dem Ritual der Santería-Göttin Yermayá zugehörige Rhythmusklangfarben nutzt. Zur Familie des Rumba gehört der zum Singen und Mitstampfen auffordernde Conga-Tanz, der dem vierten Satz seinen Titel gab. Eingelegt ist die Kubaner/inne/n bestens vertraute Melodie des Liedes La CaminadoraDie Wanderin.

 

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.