Klassisch basiertes Oeuvre einer portugiesischen Tonkünstlerin

Eine singuläre Stimme: aus Europas Südwesten

Berta Cándida Alves de Sousa (1906 – 1997) kann als eine der ganz wenigen erfolgreich Kunstmusik komponierenden Frauen Portugals im 20. Jahrhundert gelten. Sie schuf solistische Klavierstücke ebenso wie Kammermusik für zwei oder drei Instrumente, in der Regel für Cello und Klavier, Orchesterwerke, geistliche Vokal- und Chormusik, später ein paar bedeutende Werke für die Bühne, darunter die beiden Ballette Bailado oriental (1954) und im selben Jahr Ker Keb. Im Bereich der Orchestermusik galt ihr Interesse häufig historischen Stoffen, zum Beispiel Vasco da Gama (1936) oder der Literatur: Nach Oscar Wilde entstand 1934 die Suite O jovem rei („Der König als junger Mann“).

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Das heutige Porto mit der Ponte da Arrábida aus Vogelperspektive: Hier studierte die junge Berta Alves de Sousa, nachdem sie mit ihrer Familie aus dem belgischen Liège nach Portugal zurückgezogen war (KGGucwa, CC-Liz.).

Nicht nur ihr Klavier- und Kompositionsstudium in Porto bewältigte sie mit großem Erfolg, sie setzte es noch in Paris beim namhaften Klavierdozenten Wilhelm Backhaus und im Tonsatz bei George Mingot fort. In Lissabon unterrichtete sie der einflussreichste portugiesische Komponist seiner Generation, José Viana da Mota.

Der Palast Pinto Leite diente in dieser Ansicht von 1975 bis 2008 als Konservatorium der Stadt Porto, an dem Cándida Alves de Sousa sowohl studierte als auch später für viele Jahre lehrte (Manuel de Sousa, 9.3.2008, GNU Lic.).

Die Fortsetzung des Studiums in Berlin führte die ebenso vielseitige wie ehrgeizige Musikerin zum Fach Dirigieren, das sie bei Clemens Krauss erlernte, außerdem vervollkommnete sie ihr Klavierspiel bei Alfred Cortot und besuchte die musikpädagogischen Kurse bei Edgar Willems. Als weitreichend für ihr eigenes Komponieren erwies sich Alves‘ Rezeption der „Klang-Symmetrie“ des in Oporto lehrenden Corrêa de Oliveira, zu welcher dieser 1969 ein Lehrbuch vorgelegt hatte.

Anders als bei zeitgenössischen Kollegen weist Alves‘ Werk kaum Bezugnahmen auf Folkloristisches auf, abgesehen etwa von dem 1950 herausgegebenen Trio-Zyklus Variações sobre una cantiga alentejana.

Beim Label Numérica erschien Sofia Lourenços Einspielung von Klavierstücken verschiedener portugiesischer Komponist/inn/en der Gegenwart, darunter Werke von Alves‘ de Sousa (ASIN: B009H48GAQ).

Demgegenüber schrieb sie auf unterschiedliches Publikum zugeschnittene Musik: So entstanden 1976, im Zusammenhang mit der musikpädagogischen Arbeit am Konservatorium von Porto, acht Stücke für Kinder unter dem Titel Fauna em música, die ein vergnügliches Lernen von Instrumentengeräuschen und -klängen anhand von Parallelen zu Tierstimmen ermöglichen. Originalität in der Besetzung zeigt sich des Öfteren: Die Partitur von Eia mater, fons amoris von 1950 sieht drei Vokalstimmen, Streichorchester und Harfe vor, ein Präludium mit Fuge widmete sie drei Vertretern eines ihrer Lieblingsinstrumente, nämlich des Violoncellos; Esbogo elegiaco und Toccata modal wurden 1974 für zwei Klaviere komponiert.

 

Literatur u.a. zum Verständnis von Cándida Alves‘ Stil:
Fernando Corrêa de Oliveira: Simetria Sonora. Oporto 1969.
Antje Olivier; Sevgi Braun: Komponistinnen aus 800 Jahren. Essen 1996.

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.