Schwarzschild - Alphamay - TourdeForce/We The North

Frisch aus der Elektroküche

Schwarzschild: „Pulsar“ (Echozone/Soulfood)

Am 19. Januar dampft mit dem Sechs-Tracker Pulsar (Echozone) endlich wieder köstliches Earcandy aus dem Dunkellicht hinaus in die Welt. Kredenzt von dem – in Fachkreisen – mit am höchsten gehandelten Duo des elektronischen Dark Pop deutscher Provenienz: Schwarzschild. Schon zur Verkostung bereit stehen hingegen die sinnlich nicht minder höchst lohnenden Spezialitäten von Alphamay (anhand des Remix-Albums Trans/Fusion, Battersea Electric) sowie von TourdeForce und We The North in Form einer schlicht Split EP (Space Race) betitelten Split EP.

Die nach einem Wegbereiter der modernen Astrophysik – Karl Schwarzschild – benannten Dino Serci (Vox) und Peter Daams (Keys) legen anderthalb Jahre nach der Veröffentlichung ihres Debütalbums Radius endlich nach. Wenn auch leider „nur“ mit einer EP, die es jedoch in sich hat – und jene Qualitäten unterstreicht, mit denen Schwarzschild Handschrift und stilistische Bandbreite verquicken. Heftig treibende Tanzbarkeit trifft auf zündende Ohrwürmer und dunkel-romantische Seelenpein. Zwar mag man die gebotene Diversität im gegebenen Rahmen einer EP bekritteln, doch ist es nicht zuletzt der unverkennbare Gesang des Dino Serci, der die als Zwischenschritt zu wertende Scheibe in besänftigender Weise homogen, in sich geschlossen und sinnvoll kompiliert erscheinen lässt.

Alphamay: „Trans/Fusion“ (Battersea Electric)

Mit herausragenden Alben wie Twisted Lines, The Simulation Hypothesis oder zuletzt der EP The Mellow Collie haben sich Alphamay – der Soundtüftler Cris Frickenschmidt und Vokalist Henning Hammoor – innerhalb von fünf Jahren ihren hervorragenden Ruf in der dunklen Electro-Szene mehr als verdient. Und gönnen sich zum Jubiläum mit Trans/Fusion (Battersea Electric) nun den Luxus eines Remix-Albums, das gleich zehn ihrer stets markanten Songs in insgesamt zwölf Remix-Versionen darbietet (The God Games – in einem Fall von Schwarzschild in die Mangel genommen – und Missing Me ließ man gleich zwei Alternativen angedeihen).

So unterschiedliche Wege die Remixe (von u.a. Ampax, The Psychic Force, Gotteskälte, Suicide Tuesday) auch einschlagen: An den Charakteristika des Ausgangsmaterials wird nicht gerüttelt, nichts kann die anspruchsvoll schlüssigen Kompositionen des Cris Frickenschmidt sowie den ausdrucksstarken Gesang seines Kollegen Henning Hammoor erschüttern. Dennoch entfalten die Remix-Arbeiten ausnahmslos ihren speziellen Reiz. Allein hätte man sich vereinzelt eine größere Distanz zu den Originalversionen gewünscht. Dann hätte es sich jedoch um eigenständige Cover-Versionen gehandelt. Offenbar war dies aber nicht das gewünschte Thema der Unternehmung namens Trans/Fusion. Eine runde Sache also, die Spaß macht. Und Lust, sich wieder mal den Alben von Alphamay hinzugeben.

We The North & TourdeForce: Split EP (Space Race Records)

Ans Lustzentrum appellieren auch der aus Hyperborea (Schweden) abkünftige Johan Hansson mit seinem „Nordic Noir“ nach Art des Hauses We The North – sowie Christian Ryder aus Bergamo (respektive Pjöngjang) der als TourdeForce in der Nachfolge seiner exzentrisch ausformulierten Alben Jedem das Seine und zuletzt Very Industrial People vier Tracks zur Split EP (Space Race Records) besteuert, wobei die Kollaborateure bei Understand Me tatsächlich gemeinsame Sache machen.

Dabei wird zunächst einmal die frappant ähnliche Klangsprache von Johan Hansson/We The North (dessen bisherige Alben Dayblind und Unhealing logischerweise auch nicht von einem schlechten Vater stammen) und Christian Ryder/TourdeForce evident. Dieser EP-Merger liegt also per se nahe. Der sich auf die seligen achtziger Jahre beziehenden und mit den heutigen Mitteln erstellte Dark Electro Pop klingt in beiden Fällen zunächst einmal melodisch beschwingt – und geradezu harmlos. Gute Laune pur. Doch das täuscht: Während bei We The North stets rührige Melancholie und latente Verzweiflung mit in die an sich vollkommen abgerundeten Songs verwoben wird, geriert sich TourdeForce vergleichsweise zickiger, variabler und komplexer. Doch dieser Unterschied erweist sich auf der Split EP als marginal, beide Künstler haben sich hier einander angenähert. Ihre jeweiligen Alben unterscheiden sich wesentlich deutlicher.

schwarzschild-music.de
facebook.com/SchwarzschildMusic
19.01. Pulsar Release-Party (Oberhausen, Crowded House Kulturzentrum)

alphamay.de
facebook.com/electronicavantgarde
live:
02.02. Düsseldorf (Brause)
09.02. Wuppertal („Wuppertal hilft“-Festival, Uni-Halle)
23.02. Duisburg (City Electronicer w/ Dynastie, Friends & Family Show)
09.03. Haan (Rockin‘ Roster Club e.V.)
11.04. Berlin (Hangar 49)
12.04. Magdeburg (Flowerpower)
27.04. Hanau (Brückenkopf)

facebook.com/tourdeforce1
Showreel 2018 – Christian Ryders Arbeiten als „Music Video Maker“:
youtube.com/watch?v=nmAOojcLgFM

facebook.com/wethenorthofficial
spaceracerecords.com

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!