Zaz „Recto Verso“ – Ein Gesamtkunstwerk, n’est pas?!

„Frauen kommen langsam, aber gewaltig“, hat Ina Deter in den 80ern gesungen. Dieser Ausspruch passt auf die Deutschlandkarriere der jungen Französin Isabelle Geffroy alias Zaz. Mit ihrem ersten Album „Zaz“ konnte sie hierzulande 2010 zunächst keinen Blumentopf gewinnen, obwohl sie in Frankreich und Belgien die Poleposition der Charts stürmte. Doch dann, plötzlich, brach der Zaz-Sturm auch in Deutschland los und die heute 33-Jährige katapultierte sich und ihr Debüt auf Platz 3. Nun kommt der musikalische Nachfolger „Recto Verso“, von dem Ähnliches zu erwarten ist – vielleicht nur diesmal etwas schneller.

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Zaz: vorne, hinten, überall. / Foto: Sony Music

Zaz: vorne, hinten, überall. / Foto: Sony Music

Der Titel des Zweitlingswerks ist dem Lateinischen entnommen und bedeutet eigentlich „Vorne Hinten“. Vielleicht möchte die Nouvelle-Chanson-Sängerin damit auf ihre musikalische Vielfältigkeit hinweisen, die auf dem neuen Album zweifelsohne laut und deutlich zu hören ist. Zaz bewegt sich im weiten Wirkungskreis der Popmusik, der allerdings schon alleine durch den französischen Einschlag erweitert wird. Hier hat sicherlich auch die chansoneske Interpretation einiger Songs ihren Ursprung; ebenso kommen jedoch Jazz-Elemente, minimalistische Arrangements und die klassische französische Ballade – bekannt aus vielen Eurovision Song Contests – zum Vorschein. Auch die mit Frankreich assoziierte Drehorgel ist zu hören. Als Instrument der Straßenmusiker nicht verwunderlich, da Zaz selbst ihre Karriere hier begonnen hat.

Bei Zaz‘ neustem Werk ist es schwierig, einzelne Songs herauszupicken, um sie zu evaluieren und zu analysieren, zu drehen und von allen Seiten zu beleuchten. Denn sobald man dies tut, merkt man, dass keines der Lieder – trotz ihrer Unterschiedlichkeit – alleine stehen mag. Mit „Recto Verso“ deckt die aus dem westfranzösischen Departement Indre-et-Loire stammende Sängerin also nicht nur vorne und hinten ab, sondern auch rechts, links, oben und unten und hat somit ein unaufdringliches Gesamtkunstwerk geschaffen. Zudem verfügt sie über eine Gabe, die einem bei verhältnismäßig vielen französischen Sängerinnen auffällt: eine klare Stimme, die schnell ins Rauchige umschlägt und teilweise brüchig klingt – auf diese herrliche verruchte und sympathische Art und Weise.

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Über Kathrin Tschorn

Kathrin Tschorn | Freiberufliche Musikredakteurin und Lektorin, beheimatet in Berlin. Stets Musik aus den Bereichen Pop, Rock, Indie, Jazz sowie allem dazwischen auf den Ohren und eine Tastatur unter den Fingern.