River Becomes Ocean - A Motion Paralysed

Wille contra Verdacht

River Becomes Ocean: „A Motion Paralysed“ (Department/Warner)

Aus Brighton stammen sie, den erweiterten Markt des Post-Hardcore peilen sie an: Drei Jungs um Sänger und Pianist (!) Marvin McMahon, die auf ihrem Debütalbum A Motion Paralysed (Department/Warner) Brücken zwischen Emo-HC und Powerpop-Balladen schlagen. Ohne dabei den Bogen der Käsigkeit zu überspannen. Wer jedoch juvenile Wutschreie weiterhin im immerzu gleichen Duktus zu vernehmen gedenkt, sei gewarnt: Unverblümt wagen sich River Becomes Ocean auch an durchaus euphorische Regungen heran. Und überzeugen letztlich mit einer betont abwechslungsreich melodiösen Scheibe, die sich ihrer zum Teil doch recht großen Gesten noch nicht einmal zu schämen braucht.

Dabei sollte für die nötige Credibility doch allein schon der gesangliche Beitrag von Liam Cormier (Cancer Bats) bei Silcene Means Nothing sorgen. Des Weiteren tummeln sich auf A Motion Paralysed – je nach Gusto – Bezüge zu Funeral For A Friend, Silverstein (mit denen RBO bereits auf Tour waren), Bring Me The Horizon oder auch „Billy Clyro“. Doch das übliche Namedropping hilft natürlich nicht sonderlich weiter, wenn es darum geht, das Besondere am Potential der Briten anzudeuten.

Da böte sich schon eher ein Abriss ex negativo an, zumal es, wie eingangs bereits angedeutet, auch darum geht, Marvin McMahon und Co. vor dem (zugegeben naheliegenden) Verdacht in Schutz zu nehmen, mit einem allzu „poppigen“ Habitus und Klaviergeklimper – auf kurz oder lang – in die Fußstapfen von Keane treten zu wollen. Dagegen sprechen die auf A Motion Paralysed gebotenen Härtegrade ebenso wie der erkennbare Wille, ausgelatschte Pfade generell zu meiden.

River Becomes Ocean (facebook.com/RiverBecomesOcean)

Insofern handelt es sich hiermit um ein veritables Entdecker-Album, das vor dem sporadischen Einsatz von Autotune und Chorgesang ebenso wenig zurückschreckt wie vor orchestral fundierten Passagen und amtlichem Geknüppel. Ein Hybrid also, der in dieser Form noch selten zu vernehmen war. Allenfalls grüßen Woland oder gar Deadsy aus der Ferne (und das will was heißen).

Ja, es gibt den ein oder anderen überzuckerten Aspekt, doch in der Summe ragt A Motion Paralysed allein schon aufgrund seines Muts zur Umgestaltung tradierter Werte aus der Masse an Genre-Veröffentlichungen heraus. Und sollte die Band dereinst von – sagen wir mal – 30 Seconds To Mars zum Support geladen werden … braucht sich darüber schon heute niemand mehr zu wundern.

You Said:
youtube.com/watch?v=VujWp2HvGo0

Addicted:
youtube.com/watch?v=K_GjhylmjGI

Silence Means Nothing feat. Liam Cormier (Cancer Bats):
youtube.com/watch?v=wkWnEnerMn0

08.02. Essen (Don’t Panic)
09.02. Freudenstadt (KiJuz)

riverbecomesocean.com
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