Mlle. Bocquet: Morgendämmerung des bürgerlichen Musiklebens

Durch alle Tonarten

Kaum eine Generation später als ihre italienischen „Kolleginnen“ Francesca Caccini und Barbara Strozzi beteiligte sich Anne (oder Marguerite?) Bocquet rege am Musikleben ihrer Zeit, in der die Oper auch in Paris langsam die Bühnen zu erobern begann. Wir wissen nicht viel über ihr Wirken, doch soviel, dass sie zwischen 1653 und 1659 zusammen mit der Literatin Madeleine de Scudéry einen Salonzirkel kunstsinniger Frauen leitete. Außer, dass sie in engerem Kontakt mit Gründer(inne)n der Académie française stand, ist über ihr Leben, das in der Spanne zwischen 1600 und nach 1660 anzusetzen wäre, leider nicht viel bekannt.

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Gerard ter Borch (1617 – 1681) fertigte dieses Gemälde einer Lautenspielerin in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts; bei ausübenden Musikerinnen war das Instrument in dieser Zeit sehr beliebt (Königliches Museum Antwerpen, WGA2 2148, N/US p.d.).

Als eine der wenigen, durch Bildung mehr als Herkommen privilegierten Frauen im Frühbarock hatte sie Zugang zu Kunst und Wissenschaft. Anne Bocquet war ausübende Lautenistin und komponierte viel für ihr Instrument. Bemerkenswert ist, dass sie ihrer Sammlung Präludien in jeder Tonart voranstellte, was von späteren Tonkünstlern in extenso weitergeführt wurde, man denke an Bachs Übungszyklus Das wohltemperierte Clavier.

Ein Teil dieser Musik überlebte – dank der Aufmerksamkeit,die er schon zu Lebzeiten seiner Urheberin fand und wohl auch ihrer Kenntnis förderlicher Kreise; einige ihrer Préludes konnten als Manuskript F-Pn Vm.7 6214 in der Bibliothèque nationale de France bewahrt bleiben.

Zusammen mit der legendären Mme. de Scudéry (im Bild) leitete Anne (oder Marguerite) Bocquet einen literarisch-künstlerischen Salon (Bibliothèque Municipale du Havre, US p.d.).

Zieht man in Betracht, dass sich ein Teil des Werks in englischen, deutschen und französischen Sammlungen der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wiederfindet, muss es wenigstens bei maßgeblichen Lautenisten im In- und Ausland, vielleicht auch am Hof des Sonnenkönigs populär gewesen sein.

Literatur u.a.

Monique Rollin et André Souris: Œuvres des Bocquet. Paris 1972. (coll. Arts du spectacle / Corpus des luthistes français)

Christian Meier: Die Verbreitung der Lautenmusik im 17. Jahrhundert. In: Die Laute. Band 5. 2001. S. 1 – 19.

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.