Die Türen - Exoterik

Sechs sells

Die Türen: „Exoterik“ (Staatsakt/Caroline)

Freikugeln sind’s, auf die er Hoffnung baut. / Sechse treffen, sieben äffen.“ (Der Freischütz, J. F. Kind / C. M. von Weber, 2. Akt, 5. Aufzug: Kaspar und Samiel). Das siebte Rad am Heuwägelchen, am Mantra, sitzt zwischen den heimischen Schallwandlern – und vernimmt die sich über einen Zeitraum von rund drei LPs erstreckende Exoterik (Staatsakt/Caroline International, ab 25. Januar für Normalsterbliche erhältlich) der Vier um Maurice Summen: Ramin Bijan, Gunther Osburg, Andreas Spechtl, Chris Imler. Unter Zentralheizungseinfluss, im strömenden Schweiße eines Angesichts, dem das sechste Element, das „missing link“, aus den Augenwinkeln geriet. Eine Spurensuche.

Ist dieses Sechste nicht doch die „Oma“ (um die Fahndung bei dem vielleicht naheliegendsten Verdachtsmoment anzusetzen)? Unvorteilhaft kaschiert beinahe ans Veranstaltungsende geflutscht, findet die überfällige Anklage endlich einen Fokus. Und der Großmutter (auch Omma oder Omama genannt) widerfährt 51 Jahre nach Heintje („Oma so lieb“) also doch noch ihre wohl verdiente Nemesis. Das Freudsche Einmaleins nimmt zwei Stufen auf einmal, strauchelt – um den Sachverhalt simultan wieder auf die Füße zu stellen (Hegel). Problem gelöst? Bleiben aber noch rund anderthalb Dutzend weitere Misstrauensvoten, deren Zulassung vor die hochnotpersönlichen Gremien des Septanten (J. G. Krünitz, „zwei Seiten, eine Woche“) weiterhin im Schwebezustand dümpelt.

Warum also nicht den Weg des geringsten Widerstands („Ohm Sweet Ohm“, alias „Trans Europa Express“, hier: Regionalexpress) befahren – und gleich den Herrgott anrufen (Lieber Gott)? Allein der Versuch macht nicht klug: Nicht weil bei ihm Besetztzeichen zu Ausrufungszeichen werden. Sondern weil Die Türen dem konstruktivistischen Credo Steine, gar Brocken in den Weg zur Erleuchtung legen. Brocken, die bekanntlich keine Mühe lohnen. Und wieder und wieder an ihren Ausgangspunkt zurückkehren, mit der Conditio humana im Handgepäck. Kontinuität ohne Erlösung: Ein Versprechen, das Summen und Co. verlässlicher einlösen als jedes Amen (Atmen?) am Smartphone.

Die Türen (Markus S. Fiedler)

Dabei scheint doch alles klar wie „Fürst Bismarck“ auf Eis (Selbstverständlichkeit): Allein schon der Album-Titel (Exoterik, nicht wahr?!) gibt das Geheimnis preis. Lehrt den Wert des Stoizismus durch die Sonnenbrille (Irgendwo hingelegt) des Positivismus (frei nach Husserl-Gusto) zu sehen. Der Satz vom ausgeschlossenen Dritten, multipliziert mit sich selbst: Auch die Zahl „3“ zieht sich wie ein seidener Faden durch die Prärie der perennierenden Provinz namens Deutschland. Im Modus eines Wintermärchens (Fiesta Antifa), aufgezeichnet im siedenden „Hundesommer“ 2018 (Welthundetag). Kraulen, Jaulen und Zähnefletschen.

Die Türen (Markus S. Fiedler)

Auch der denkbar leichteste Lösungsansatz – Titel Nummer Sechs – stellt nur lapidar fest: Ich bin eine Krise. Wie spitzfindig. Und doch so elegant. So eloquent gar, dass es höchster RE ist, endlich die von Schweiß durchtränkte Leibwäsche zu wechseln. Und siehe da: Sich aus dem Auto-Streichelzoo zwischen den Stereo-Speakern erhebend, aufrecht der Kommode entgegen, blitzt er auf! Der für gewöhnlich vernachlässigte, doch nimmer geschmähte – sechste Sinn!

Sobald der Schwindel nachlässt – und das Baumwollene einen Wechsel zeitigt – nötigt die eine der drei Scheiben (sechs Seiten einer Medaille!) zum Wenden. Damit das Rave Regime eine weitere Legislaturperiode in Angriff nehmen kann. Noch nicht einmal die Glaubensneigung, dass es sich dabei um die sechste handeln dürfte, macht den Witz schal. Dafür ist Exoterik viel zu charmant ausgefallen. In nervöser Gelassenheit, dringlich wie jener Knick in der Akustik, der zu Hörstürzen verführt. Sechs sells. Kaufen, kaufen, kaufen.

Miete, Strom, Gas:
youtube.com/watch?v=7a5OAvBeDcs

01.02. Hamburg (Molotow)
02.02. Münster (Gleis 22)
03.02. Hannover (Béi Chéz Heinz)
04.02. Köln (Bumann & Sohn)
05.02. Karlsruhe (KOHI Kulturraum)
06.02. München (Kammerspiele)
07.02. Nürnberg (Club Stereo)
08.02. Dresden (Scheune)
09.02. Berlin (Festsaal Kreuzberg)

dietueren.de
facebook.com/DieTueren

 

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!