Amusio Assessment Center (9)

Überwindung zwecks Erkenntnis

Smaf: „Boom“ (DMG Records/Broken Silence)

Smaf – Boom (DMG Records/Broken Silence)
Als dem guten Leben offenbar keineswegs abgeneigt erweisen sich auch Smaf aus Luxemburg auf ihrem zweiten Album. Dabei deckt die gewagte Melange aus TexMex-Wüstenei, Motown, Raubeinrummel, E-Dub und Partypop-Appeal mindestens ebenso zahlreiche Verwendungsmöglichkeiten ab. Während die nicht allzu forsch temperierten Instrumentalstücke durchaus auch als – qualitativ neue Maßstäbe setzende – Pausenmusik im kulturbeflissenen Rundfunk einen schlanken Fuß formen würden, machen die von mitreißendem Gesang (Franziska Schuster) auf die Spitze getriebenen Songs mit jeglicher Zurückhaltung kurzen Prozess. Von dieser Sorte hätte es gerne noch etwas mehr geben, ja geradezu wimmeln können. Doch vermutlich ist es dem – mit Martin Meixner an Orgel und Wurlitzer E-Piano glänzend besetzten – Quartett daran gelegen, zunächst einmal seinen charismatisch potenten Sound zu etablieren. Bevor bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit weitere Grenzen überschritten werden. Das ist nicht nur nachvollziehbar. Sondern macht schon jetzt einen Heidenspaß, wenn auch die Ecken und Kanten auf Boom recht sauber poliert wurden. Auf dass sich niemand allzu heftig daran stößt. Selbst wenn die Gebrauchsanweisung – „play it out loud“ – in angemessener Weise befolgt wird. Und sich das heimische Musikzimmer dank dieser Scheibe in einen Tanzschuppen der außeralltäglichen Art verwandelt.

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The Ossuary: „Southern Funeral“ (Supreme Chaos Records/Cargo)

The Ossuary – Southern Funeral (Supreme Chaos Records/Cargo)
Als im besten Sinne der hart-schweren Traditionen (das Beste der 70er, 80er und eine ordentliche Portion Doom) verpflichtet hauen Stefano, Domenico, Dario und Max aus Bari auf ihrem Zweitlangspieler Southern Funeral so dermaßen versiert auf die Dreizehn, dass selbst die Granden des Genres – von Purple über Sabbath bis Pentagram – zumindest für die Dauer dieses frisch (und eben nicht altbacken) servierten Spektakels in Frieden ruhen mögen. Von parodistischer Relativierung komplett unbeleckt, gerät in diesem heiteren Beinhaus lebendiger Musikgeschichte nicht ein einziges Riff ins Straucheln. Vielmehr wird auf
Southern Funeral nachvollziehbar, wie der Respekt vor den Ahnen dem Stolz weicht, deren Ton authentisch zu treffen. Ohne behelfsmäßiges Plagiieren bemühen zu müssen. Oder auf flüchtige Effekte zu spekulieren. Besonders überzeugen die Italiener überdies mit ihrer schon sehr weit gediegenen Kunst der sachdienlichen Dosierung. Während das Gros des ähnlich veranlagten Nachwuchses oftmals dazu neigt, einzelne Aspekte der sattsam ausformulierten Klangspektren überzubetonen (und somit rasch in die Zwänge der Schablonen gerät), scheinen The Ossuary allein ihren eigenen Atem heiß im Nacken zu verspüren. Und die entsprechende Inspiration mit der gebotenen Lässigkeit auszuschöpfen. Im Sinne einer sich schichtweise entfaltenden Pracht. Wohlan.

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The Sabbathian: „Latum Alterum“ (Svart Records/Cargo)

The Sabbathian – Latum Alterum (Svart Records/Cargo)
Hochgradig intensiv gebärdet sich der sattsam geschwärzte Doom Metal-Merger von Chad Davis (Hour Of 13 etc.) und Anette Uvaas Guldbrandsen (Nàttsòl). Dafür sorgt ein durchgängig druckvoll schleppendes Mahlen. Ein stoisches Mäandern, das sich kaum darum schert, anhand von aufgesetzten Ausweichmanövern vom Pfad des gerechten Siechens – im Beisein unstillbaren Verlangens – zu abstrahieren. Latum Alterum enthält nichts, was seine Sogwirkung beeinträchtigen könnte. Und doch mehr als genug, um jeglichen inneren Widerstand bereitwillig der Zwecklosigkeit zu überführen. Die dominanten Konstanten – bleierne Riffs und passioniert entrückte Gesangsleistung – amalgamieren zu einem träge dynamisierten Wust aus blendender Verfassung. Allein „Embrace The Dark“ strömt mit seiner flotten Black Sabbath-Note ein wenig aus dem Flussbett. Verzeihlich. Denn die Konsequenz, mit der hier ansonsten lang, breit und schmutzig Gemütszustände der einschlägigen Art provoziert werden – sowie die mit ihr einhergehende Weigerung, Schneisen der Erholung zu schlagen – sind die Schlüssel zum unbedingten Genuss eines Albums, das mehr als nur daran erinnert, wie relevant diese Spielart des wahrhaftig Schweren – auch über die heutige Blutmondnacht hinaus – bleiben wird.

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Johnny Deathshadow: „D.R.E.A.M“ (MakeBigRecords/Soulfood)

Johnny Deathshadow – D.R.E.A.M. (MakeBigRecords/Soulfood)
Angetreten, um „Genre-Grenzen endgültig zu pulverisieren“ und „der überalterten deutschen Düsterrock-Garde endlich die Gothic-Metal-Krone zu entreißen“ (Eigeneinschätzung), liefert das Hamburger Skelett-Quartett um Jonathan Schneider mit seinem zweiten Album in der Tat packende (zum Teil erstaunlich core-ige) Breitseiten ab, in deren Struktur althergebrachte Zutaten gehörig aufgemischt werden. Athletisch kraftvoll produziert (Alex Henke) jonglieren Johnny Deathshadow auf fett gebohrten Brettern. Und halten insofern Wort, als dass es ihnen gelingt – trotz der stilistisch gebotenen Vielfalt – eine markante, wenn nicht gar eigene Handschrift zu destillieren. Auch wenn das Apronym seines Titels nicht aufgelöst wird, bleibt D.R.E.A.M. kaum eine Antwort auf die eigens gestellten Fragen nach der Zukunft des Meta-Genres schuldig. So kann es weitergehen. Im Februar auf Tour (mit Hell Boulevard): 14.02. Frankfurt (Nachtleben), 15.02. Stuttgart (Club Zentral), 16.02. München (Backstage), 21.02. Bochum (Rockpalast), 22.02. Berlin (Musik & Frieden), 23.02. Hamburg (Logo).

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Ach so: Bosse-de-Nage rules!

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