Careful - Boy Harsher on tour

Auf zur Erleuchtung!

Boy Harsher: „Careful“ (Nude Club/Rough Trade)

Jae Matthews und Augustus Muller aus Northampton, Massachusetts bilden als Boy Harsher ein Cold Wave-Duo der besonderen Art. Eine Behauptung, die akut (ab 1. Februar) anhand des neuen Albums Careful (Nude Club/Rough Trade) zu verifizieren ist. Ohne die eigene Meinungsbildung vorwegnehmen zu wollen, sei versichert, dass Boy Harsher ihren Status weiter ausbauen – samt ihrer fälschungssicheren Fasson, hitziges Flirren und eiskalt blasierte Distanzwahrung in eins zu denken. In diesem Sinne sollte auch die Anfang März über uns hereinbrechende Tour ambivalente Zustände ins Bewusstsein lancieren. Wir wünschen viel Vergnügen beim bibbernden Schwitzen.

Intensität, Dichte, Sogwirkung – die immer wieder gern genommenen Schlagworte zur Kennzeichnung von Musik mit dezidiert ins Feld geführter Metaebene, lassen sich problemlos auf das Schaffen von Boy Harsher übertragen. Womit aber noch die Antwort auf die Frage unbeantwortet bleibt, was dieses Duo von all den anderen, die im zurzeit sehr populären Genre des Cold Wave unterwegs sind, unterscheidet. Und womöglich handelt es sich nur um eine feige Ausflucht, wollte man besagte Differenz in erster Linie an den bei Boy Harsher Verwendung findenden Sounds festmachen. Wer jedoch allein die Auskopplung LA mit seinen Yello-Samples und staubtrockenen EBM-Beats vernimmt, mag sich auf der richtigen Fährte wähnen.

Boy Harsher (facebook.com/boyharsher)

Vielleicht verdanken Boy Harsher ihre Andersartigkeit aber auch schlicht (und ergreifend!) ihren entschieden nach außen getragenen Persönlichkeiten. Sie verstecken sich nicht hinter nebulösen Allgemeinplätzen, sondern gewähren Einblicke ins emotionale Innenleben. Und eine Perspektive – auf jene (zu überwindenden) Fallstricke, mit denen zwischenmenschliche Beziehungen auf dem Weg zu gegenseitiger Achtung und blindem Verständnis unausweichlich konfrontiert werden. Boy Harsher verwandeln das Emo-Pastiche zur aufrechten Pose. Und die Aufrichtigkeit in ein allgemeingültiges Unterpfand, mit dem sich das eigene Verhalten in die Supervision überführen lässt.

In diesem Sinne sei ein Abstecher zur anstehenden Konzertreihe durchaus dringend angeraten. Wer vor Ort weitere Boy Harsher-Eigenarten filetiert, hat wohl allen Grund, sich – zumindest für die Dauer des Ereignisses – ziemlich erleuchtet, wenn nicht gar (zumindest einigermaßen) glücklich zu wähnen.

LA:
youtube.com/watch?v=gePkM8RDN4Q

21.02. Hamburg (Uebel & Gefährlich)
04.03. Heidelberg (Karlstorbahnhof)
05.03. Berlin (Berghain Panoramabar)
06.03. Leipzig (UT Connewitz)
07.03. Augsburg (Neue Kantine)
08.03. Köln (Arttheater)
10.03. Berlin (Urban Spree)
Support: Kontravoid

facebook.com/boyharsher

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