Porträt-Komponist Georges Aperghis

Acht Brücken 2019: GroßstadtPolyphonie

Georges Aperghis, Louwrens Langevoort auf der Pressekonferenz „Acht Brücken“, Philharmonie, Köln

Auch in der als Interview inszenierten Präsentation des griechisch-französischen Komponisten Georges Aperghis wird spürbar, wie schwer es den Beteiligten fällt, die Verbindung zwischen seinem Schaffen und der Stadt Köln zu konstruieren, wiewohl ihm gleich mehrere Aufführungen seiner Werke am Ort seiner heutigen Anwesenheit in guter Erinnerung geblieben sind. Auf das Thema der Polyphonie angesprochen, bemüht Georges Aperghis indes Gemeinplätze: Es sei ihm im zunehmenden Maße daran gelegen, die Grenzen der Polyphonie bis zur Unkenntlichkeit zu verschieben. Nun denn.

Konkreter wird der 1945 in Athen geborene Autodidakt und Mauricio Kagel Musikpreisträger hinsichtlich der für den 30. April angesetzten und von Bas Wiegers dirigierten Hamletmaschine, zu deren Anlass die Acht Brücken das Vokalensemble des SWR begrüßen wird. Heiner Müllers Text bereite ihm auch heute noch physische Schmerzen, beteuert Georges Aperghis. Von daher handele es sich bei seiner Adaption auch um ein sehr schwieriges Werk, das anhand der Figur des Hamlet die ambivalente Position des Künstlers zwischen Velleität und gesellschaftlicher Teilhabe diskutiere. Wie sich dieser Komplex mit dem Thema des Festivals in Verbindung bringen lässt, bleibt offen.

So beschränkt sich auch der Beitrag von Valerie Weber (Hörfunkdirektorin des WDR) aufs Anekdotische, wobei sie es nicht versäumt, auf das unverändert hohe Involvement und Engagement ihres Arbeitgebers hinzuweisen. Allein schon die Vielzahl der Kompositionsaufträge, die auch im Rahmen der Acht Brücken zum Tragen kommen, beeindruckt.

So auch die Pressekonferenz inhaltlich schwächelte, spricht dies tendenziell für das Gelingen eines Festivals, das weiterhin gut daran tut, seine breit gestreuten und durchgängig hochklassigen Angebote nicht an die Vorgaben eines singulären Sujets zu ketten. An der Relevanz der Acht Brücken für die Kulturstadt Köln gibt es ohnehin nichts zu rütteln.

Schade nur, dass es – anders als in den Jahren zuvor – versäumt wurde, einen Beitrag aus der (alternativ-avangardistischen) Popkultur ins Festival-Programm zu integrieren. Zwar mag die Abschlussveranstaltung am 11. Mai mit Tony Allen und Jeff Mills in der Philharmonie als hochkarätiger Platzhalter dienen. Doch – dies nur abschließend am Rande – wäre etwa die Einbeziehung einer Band wie Holygram wünschenswert gewesen, die nicht nur aus Köln stammt, sondern auf ihrem von der Kritik gefeierten Debütalbum explizit das Leben in der – und in dieser – Großstadt reflektiert.

achtbruecken.de

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