Meisterwerke der polnischen Musik XLI

Nachdenklich, engagiert, einfallsreich

Das vergleichsweise junge Warschau musste über Jahrhunderte gegenüber Krakau, wo die Künste bis heute kein Mauerblümchendasein fristen, zurückstehen. Und dennoch gibt es seit längerem in der wirtschaftlich brummenden Metropole des Landes auch genügend Nachwuchs etwa an Musikschaffenden. Zu den produktiven neueren zählt die avantgardistisch und klassisch ausgerichtete Operndirigentin Klaudia Pasternak, deren Werk quer durch Polen von bedeutenden Solisten, Ensembles, Sängern und Orchestern bereits aufgeführt wurde, etwa vom Orchester des Musiktheaters Lublin, vom Mazowischen Opernorchester Warschau, vom Saxophonisten Piotr Wysocki, dem Schlesischen Streichquartett und dem Musica Viva Kammerorchester Posens.

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Klaudia Pasternak, geboren 1980, dirigiert an Opernhäusern, komponiert seit 1998 für das Publikum und engagiert sich für Demokratie und Frauenrechte (am Warschauer Olympiazentrum, 15.10.2010, Bubbliedoor, CC-Liz.).

Die Palette der Ausführendenden gibt hier bereits einen Einblick in Pasternaks vielseitiges Oeuvre: Angefangen mit den Obrazki z Tatr („Bilder vom Tatra-Gebirge“) für Streichtrio von 1998 spannt sich der Bogen über exzeptionelle Kammermusik, zum Beispiel David und Goliath für Kontrabass (2002) sowie Devil’s elbow (2004) bis hin zum 2016 geschaffenen orchestralen Balletttriptychon Nowele rzymskie („Römische Geschichten“). Für die originelle Besetzung mit Geige, Cello, E-Gitarre und Klavier schrieb sie gerade zwanzigjährig Diabolicus, dem Solo-Saxophon gedachte sie 2005 Jedennascie oddechow … („Elf Atemzüge …“) zu, dichterisch betätigte sie sich selbst vor zwei Jahren mit Piesni do slow własnych („Lieder zu eigenen Worten“) für die „höhenlastige“ Besetzung Sopran, Mezzosopran, Tenor und Bariton mit Streichorchester, wodurch den Solistenstimmen ja insgesamt vier Streichinstrumente in größerer Zahl und breiterem Ambitus korrespondieren.

‚Ave vere‘ – Vokal- und andere Kompositionen der Komponistin und Hocschullehrerin Klaudia Pasternak wurden auf dieser MP3-CD aus dem Jahr 2016 ediert (ASIN: B01B2PKR2W).

Ave stella matutina für Frauenchor (2008) wurde für die CD Songs of Light des US-amerikanischen Pacific Youth Choir aufgenommen. Überhaupt nahmen sich auch verschiedene ausländische Formationen ihrer Werke an; das Oregon Bach Festival in Portland bediente sich aus Pasternaks Repertoire, von dem andere Stücke durch die Ensemble Academy Kyoto und die Musikabteilungen der Arizona State University und der Northern Arizona University aufgeführt worden. Die gelernte Perkussionistin, die übrigens vehement auch Frauenrechte (international) engagiert vertritt, war während ihrer Bildungsjahre Warschau „treu geblieben“ und hatte hier unter anderem Komposition bei Stanisław Moryto studiert; abgesehen von weiteren zahlreichen Auszeichnungen hatte sie schon mit 17 Jahren den ersten Kompositionspreis abgeräumt.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.