Porträts brasilianischer Komponist/inn/en LV

Triumph des Samba

Es war zunächst die Sängerin Carmen Miranda, die ab 1940 mit dem genuin brasilianischen Samba amerikanische Musikbühnen und Tanzsäle zu erobern begann. Kurz zuvor hatte schon der Jurist, Sportreporter (sic!) und Komponist Ary Evangelista Barroso mit dem Titel Aquarela do Brasil seinen größten Hit gelandet; dieser kam Walt Disney auf einem Brasilien-Besuch zu Ohren, worauf er ihn 1942 in seinem Zeichentrickfilm Saludos Amigos verwendete.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Tanzmusik-Legende Ary Barroso (1903 – 1964) vor dem Zuckerhut: Rare Aufnahme aus dem Gesamtwerk (Harlequin, ASIN: B0000509HW, ed. 2001)

Nämlicher Samba brachte dem Urheber nicht weniger als die Oscar-Nominierung ein und die Popularität des „Schlagers“ sollte nach vielen Zwischenstationen in der Filmmusik 1985 einen weiteren Gipfel erklimmen, als Terry Gilliam das Kleinod in seinen Streifen Brazil einbaute; danach feierte es mit dem Titel in dieser Kurzform weitere Triumphe.

Barrosos Herkunftsort war die Stadt Ubá im Bundesstaat Minas Gerais; nachdem er mit dem Lied Dá Nela 1930 den ersten Preis bei einem Liederfestival anlässlich des Karnevals von Rio de Janeiro gewonnen hatte, konnte der studierte Pianist, der damals in Tanzorchestern spielte, endlich seine Heirat finanzieren.

Denkmal für Ary Barroso in Rio de Janeiro (Marcus Guimarães, 8.2.2007, CC-Liz.)

In Folge schrieb der Gefeierte zahllose Märsche, Balladen und Sambas; letztere gewannen bei ihm, weshalb man auch von Samba-Exaltação spricht, eine zunehmend patriotische Färbung, mit der sich etliche Musiker gegen den Samba-Malandro einer „Schlendrian“-Subkultur positionieren wollten – ganz im Sinne der autokratischen Staatsführung dieser Zeit.

Die Schwestern Carmen und Aurora Miranda singen in dem Fillm ‚Alô, Alô Carnaval‘ aus dem Jahr 1936 (BR p.d.).

(Nicht ganz) kurios mutet der Umstand an, dass Walt Disney nach der Übernahme zweier weiterer Sambas, Baía und Os Quindins de Yayá, mit Carmen Mirandas jüngerer Schwester Aurora als Sängerin den namhaften, da alles andere als schüchternen, im Gegenteil rhetorisch äußerst geschickten Fußball-Kommentator Ary Barroso engagieren wollte. Dieser sagte aber ab, weil er seinem Lieblingsverein CR Flamengo Rio de Janeiro in den Vereinigten Staaten nicht nahe sein konnte …

Literatur u.a.
Mario de Moraes: Recordaçoes de Ary Barroso. Rio de Janeiro 1979.
João Edson Rufino: Ari Barroso e a invenção do Brasil brasileiro. Salvador de Bahia ca. 2008.

 

 

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!

Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.