Interview mit Vivie Ann

„Dabei ist doch alles besser als Belanglosigkeit“

Vivie Ann (Stephan Wolf)

Zum Gespräch in einem Berliner Szene-Café findet sich neben der überzeugten Wahl-Hamburgerin Vivie Ann auch ihr kreativer Counterpart und Wegbegleiter ein. Doch Christoph Klinger gefällt sich in der Rolle des „Hinterbänklers“. Denn „ohne ihn,“ bescheidet Vivie Ann, „würde es Vivie Ann nicht geben. Wir haben lange darüber nachgedacht, ob wir uns als Duo präsentieren sollten. Aber unsere symbiotische Verzahnung spricht für sich selbst.“ Und so spricht sie federführend über ihr am 15. März der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellenden Album When The Harbour Becomes The Sea.

amusio: „Hi Vivie, die schöne Ambiguität schient sich wie ein roter Faden durch dein neues Album zu ziehen. Dieser Eindruck verfestigst sich bereits in Form des Aufhängers namens Albumtitel. Doch deine Songstrukturen und Texte verstärken diesen ersten Eindruck. Lässt du dich nicht gerne festlegen?“

Vivie Ann: „Nee! Mich vorab festzulegen widerstrebt mir. Ich bekenne mich lieber zu meiner Wankelmütigkeit, die sich in meinem Faible für den Twist niederschlägt. Ich mag es sehr, mich einem Thema aus unterschiedlichen Perspektiven zu näheren und zu beleuchten. Denn alles hat mindestens zwei Seiten. Das Schöne geht nicht ohne das Negative. Und auch die Kehrseiten können sich wieder zum Guten wandeln. So wie bei dem Titelsong meines neuen Albums: Wenn das Schiff auch untergehen sollte: `under water you learn how to breathe´“.

Vivie Ann: „When The Harbour Becomes The Sea“ (Soulfood)

amusio: „So verbleibt aber stets auch ein Haar in der Suppe, die Euphoria will sich da nicht so recht einstellen…“

Vivie Ann: „Bei diesem Song handelt es sich um ein Selbstgespräch. Und somit um die beiden Seiten meiner Persönlichkeit, die versuchen, sich ihren Platz zu erkämpfen. Also um die Balance zwischen Problem- und Lösungsorientierung.“

amusio: „Ist denn auch dein kreativer Prozess dem ständigen Wechsel von Perspektive und Stimmung unterworfen?“

Vivie Ann: „Es ist mir sehr wichtig, dass ich am Ende des Produktionsprozesses feststelle, dass die Ummantelung eines Songs meinen Empfindungen entspricht, die da waren, als ich ihn schrieb. Ich will nichts verfälschen. Sobald ich anfinge, etwas darzustellen, was mir nicht entspräche, wäre es nicht mehr meine Geschichte, nicht mehr mein Song.“

amusio: „Songwriting als Selbsttherapie?“

Vivie Ann: „Ich bestreite nicht, dass es gut tut, sich etwas von der Seele zu singen. Mir ist es aber auch sehr wichtig, dem Hörer ein Gefühl mitgeben zu können. Unabhängig von der individuellen Situation. Ich genieße das Feedback. Wenn ich spüre, den Hörern Impulse geben zu können, die auf meinen eigenen Erfahrungen fußen. Darum halte ich auch nichts davon, besonders authentisch klingen zu wollen, ohne wirklich zu wissen, wovon man da eigentlich singt.“

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