Amusio Assessment Center (11)

Kontinuität – Faktor ohne Größe

Chasms: „The Mirage“ (Felte/Cargo)

Wer beliebt, im Bilde zu bleiben, verkennt die Gunst der Nichtachtung. Auf die „Sachen selbst“ zurückzugehen, mag dem Verdacht jeglicher Hybris entgehen. Allein das Wesentliche, die Erzeugung von Ausstoß nach Bartholin, mag Schülerlotsen von Pflegern unterscheiden. Und Faktoren des Multiplikators entbehren. In weiser Hinsicht, – im Ulkus dessen, was wir Zeit zu nennen pflegen.

Chasms – The Mirage (Felte/Cargo)
Futter erster Sahne für die in den späten achtziger Jahre Verweilenden, die sich dennoch nicht freiwillig das Schild des Gestrigen an die Stirn tackern: Shannon Madden und Jess Labrador drangsalieren ihren Wave auf Kleinbildschirm. Diesmal auf ein „Ex-Seefeel“-Feeling Widescreen-Format. Um mehr als ein Vierteljahrhundert zu spät, also genau richtig. Da mögen die Kompositionen – an sich – noch so viel Beiläufigkeit entfachen, sie kommen gut zur dritten Lebenshälfte. Hall schadet – nur im Echoraum der Moden und ähnlichem Wirrwarr.

facebook.com/chasmsband

Minor Majority: „Napkin Poetry“ (Voices Of Wonder/Soulfood)

Minor Majority – Napkin Poetry (Voices Of Wonder/Soulfood)

Zahnlos gewährtes Achselzucken birgt – ganz im Gegensatz zu Chams – das auf gnadenlose Verzeihung geeichte Schönstück aus Norwegen. Mit jeder gespielten Note merkt man dem Comeback-Album seine wissende Verzweiflung an: Noch gut genug – für das heutige Weichspülern? Die an kleine Wunder grenzenden Frakturen, die Minor Majority konstant gewähren lassen, ergeben Hinweise, wie sich Sackgassen umschiffen lassen, ohne das Gesicht am Fahrtwind zu verbrennen. Wenn es mal zu heiß zu werden droht (Can`t Think Of A Reason), genügt ein Griff zum Almanach der Gelassenheit.

facebook.com/Official.MinorMajority

Pom Poko: „Birthday“ (Bella Union/[PIAS]/Rough Trade)

Pom Poko – Birthday (Bella Union/[PIAS]/Rough Trade)
Ragnhild Fangel dirigiert ihre lasziv durchgedrehte Party. Indem sie zusammenhält, was an und für sich keinen Zusammenhang ergeben will. Was auch immer hier zusammengewürfelt wurde: sie jauchtzt „Kniffel“, so auch nur ein passabler „Full House“ zu Buche schlägt. Und die Band namens Pom Poko? Schlägt sich geflissentlich gewaltig im Zerrsturm der Heikelkeiten. Verwurstung allenhalben. Und nicht ein Quäntchen an Beanstandung. Sollte man gehört haben. Nach Abschluss einer Versicherung gegen die unerwünschten Folgen einer Weisheitszahn-Ziehung. Und nun die Lottozahlen…

facebook.com/pompokounofficial

Westkust: „s/t“ (Through Love Records/Indigo)

Westkust – s/t (Through Love Records/Indigo)
Als präpotent dem Glücksspiel entronnen erweist sich der „Shoegaze-Geheimtipp“ um Sängerin Julia Bjernelind aus Göteborg. Denn ihr Stelldichein mit der Tradition (der Jugend sei es geschuldet) birgt Anknüpfungspunkte, die gleichermaßen zum Nachdenken wie zum Abhotten einladen. Noch wähnt sich die sachdienliche Ferne zum längst Dagewesenen in atmungsaktiver Ferne. Bleibt ergo die Hoffnung auf die Wahrung von Distanz. Zu den Schneisen der Appetenz. Derweil dieses Debüt allen Grund hat, für sich selbst zu stehen. Indem es Generationen zu verbinden vermag: Eine oft bemühte Feststellung, die der Mühe offenbar nicht bedarf. Zumindest scheint es so im von Westkust kuratiertem Lexikon geschrieben.

facebook.com/Westkust

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!