Barock in Istrien und anderswo

Kroatische Beerenlese

Joseph Haydn wird nachgesagt, er habe sich bei seiner Komposition der sogenannten Kaiserhymne, die später als Deutschlandlied usurpiert wurde, von dem kroatischen Volkslied Stal se jesem – „Ich bin aufgestanden“ – leiten lassen. Direkt ist dies wohl nicht nachweisbar, doch gibt das Gerücht immerhin einen Fingerzeig auf die Reichhaltigkeit der Folklore in Istrien, Slawonien und an der dalmatischen Adriaküste. Dabei handelt es sich um völlig verschieden gewachsene Traditionen, die beim heutigen Hören der jeweiligen Stile keine Gedanken an Verwandtschaft aufkommen lassen.

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In der slawonischen Tamburica-Tradition treten in der Regel sechs Musiker(innen) mit ihren besonderen Zupfinstrumenten auf (Bern 1999, MayaSophia, CC-Liz.).

Die slawonische Tamburica-Folklore greift auf ein in der Regel sechsköpfiges Ensemble zurück, dessen Instrumente Gitarren und Mandolinen unterschiedlicher Größenordnung ähneln. Hingegen dominiert am langen Küstenstreifen von Istrien über Primorje nach Dalmatien der althergebrachte Klapa-Gesang reiner Männergruppen. In der gesamten istrischen Musik überwiegen Instrumental- und Vokalmusik auf Basis pentatonischer Tonleitern.

Zeitgenosse der Komponisten Ivan Lukačić und Vinko Jelić war der Dichter Ivan-Gundulić (Porträt von 1622 – 1630, Dubrovník, Croat. p.d.).

 

Im 17. Jahrhundert bildete Kroatien einen Wall gegen das Osmanische Reich und musste sich auch gegen die Vorherrschaft der Habsburger Monarchie behaupten. Lediglich die Region Dubrovnik konnte im Angesicht der Invasion von Fremdmächten ihre Unabhängigkeit bis 1808 bewahren. Dennoch gingen aus schwierigen Zeiten, in denen Staat und Kirche äußerem militärischem Druck ausgesetzt waren, bedeutende Barockkomponisten hervor.

Vom Label Croatia Records wurde 2014 eine Auswahleinspielung der Motetten von Lukačićs ‚Sacrae Cantiones‘ durch das Ensemble Zbor Joža Vlahović vorgelegt (B0779M2CT2 als MP3-Album 2017).

 

 

 

Der Franziskanermönch Ivan Lukačić (1587 – 1648) wirkte und lebte zu einer Zeit und in einer Region, die damals zur Republik Venedig gehörte. Entsprechend der engen Bindung zu Italien konnte er in Rom Musik studieren und wurde später in Split Domkapellmeister. Seine aus 27 Motetten bestehenden Sacrae Cantiones (1620) mit Orgelbegleitung ging verloren, wurde aber in Krakaus Jagiellonischer Bibliothek wiedergefunden.

Rare Duette: Für zwei Bläser schrieb Vinko Jelić vier Ricercari (hier: Kindle-Ausgabe des Ricercare III bei Novato MusicPress 2013, ASIN-B00CUR5CWW).

Etwa zur selben Generation zählt der Kroate und Italiener Vinko Jelić (1596 – nach 1636), den wie so viele später der Dreißigjährige Krieg einholte. Er wurde zusammen mit seinem Bruder Peter als Kapellknabe an der Hofkapelle in Graz angestellt, trat 1609 mit Diskantstimme in das dortige Ferdinandeum ein und konnte an der Grazer Universität bei Reimundo Ballestra studieren. Ab 1618 sang er als Tenor und spielte als Hofmusiker unter Erzherzog Leopold I. Auf ihn gehen drei große Sammlungen zurück, die nicht nur sein Können als Kirchenmusiker belegen. Die 24 Geistlichen Konzerte der ersten werden ergänzt durch vier im Frühbarock sehr beliebte Ricercari für Zink und Posaune, die zweite ebenfalls in Straßburg 1628, sechs Jahre später, gedruckte enthält 36 Geistliche Konzerte. Unmittelbar an diese schließt eine Kollektion von Psalm-Vertonungen für die Vespermesse an, die der Nachwelt leider nur unvollständig erhalten blieb.

Zbor Joža Vlahović: Aufnahmen

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.