Vorzugsweise in Es-Dur

Trompetentöne um 1800

Hört man die Wertschätzungskommentare bestimmter deutschsprachiger (Internet-)Radiosender, so mögen einen Zweifel angesichts der litaneiartigen Beschwörung Beethovens als des einzigen wirklichen Neuerers in der Kunstmusik des frühen 19. Jahrhunderts befallen. Felix Mendelssohn-Bartholdy, der seinerseits auf der Basis der Wiener Klassik komponierte, berief sich auf Mozart zurück und suchte an diesen anzuknüpfen und seine Satztechnik weiterzuentwickeln. Der Ire John Field etwa, origineller Schöpfer spätklassischer wie frühromantischer Klavier- und Orchestermusik, muss keineswegs hinter dem als Titan verehrten Beethoven zurückstehen. In seinen Klavierkonzerten machte er reichlich Gebrauch von Blechbläserpassagen, insonderheit nutzte er den Klang der derzeit modernen Klappentrompete.  

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Die Ende des 18. Jahrhunderts von Anton Weidinger erfundene Klappentrompete erlaubte die chromatische Spielweise und sorgte so für „Gleichstellung“ im Orchester (Reid Concert Hall Museum Edinburgh, Erenaeoth, 7.5.2009, CC-Liz.).

Bleiben wir bei der Trompete, zunächst in Mannheim und im einstigen Großraum der Habsburger Monarchie mit Schwerpunkt Tschechien: Franz Xaver Richters, Jan Křtítel Jiří Nerudas sowie Leopold Mozarts frühklassischen Konzerten schloss sich Joseph Haydn mit einem weiteren in Es-Dur an, dem Johann Nepomuk Hummel, durch Vermittlung des letzteren ebenso in Esterházys Diensten stehend, mit seinem Beitrag in gleicher Tonart folgte. Bedingt war das erneute Aufblühen nach der Verwendung im barocken Concerto durch Weidingers Bau der ersten Klappentrompete um 1790, die größere Beweglichkeit und erleichtertes Spiel auf der gesamten (abendländischen) Tonskala mit sich brachte.

Sehr populär wurden in spätklassischer Zeit die Variationen für Trompete und Orchester von Friedrich Dionys Weber (Eduard Teltscher: Lithographie 1830, Austrian p.d.).

Die neuartige Möglichkeit, chromatische Übergänge auch in tiefer Lage zu spielen, ebnete hier bereits den Weg zur späteren modernen Ventiltrompete. Einziger Wermutstropfen war, dass das leisere Instrument nicht mehr an die „heroischen“ voluminösen Klangeigenschaften des Vorgängertyps anschließen konnte.

Unter den Verfechtern der angesagten neuen Klappentrompete, in den englischsprachigen Ländern unter dem Namen „keyed trumpet“ gängig, war auch der tschechisch-böhmische Komponist Bedřich Diviš Weber (1766 – 1842). Er schrieb ebenfalls in der für das Instrument modischen Tonart Es-Dur, in der man die neuen (chromatischen) Eigenschaften gut testen konnte, Variationen für Trompete und Orchester, die zunächst für das neuere, mit Klappen versehene Corno da Caccia gesetzt waren. Eingeleitet werden sie von einem breiten Largho, dem die Vorstellung des Themas in der Zählzeit eines Larghetto folgt; die letzte vierte Variation ist Tempo di Polacca überschrieben. In (früh-)romantischer Epoche knüpfte der Italiener Amilcare Ponchielli mit seinem traditionell dreisätzigen Konzert für Trompete und Blasorchester an die Entwicklung an.

Vor der klassischen Epoche diente die (Clarin-)Trompete als Instrument überwiegend (fürsten-)staatlicher Repräsentation, heute wird sie in ähnlicher Weise von Militärbands gerne in größerer Besetzung verwendet (The US Army Band, 13.2.2009, flickr, US p.d.).

Abgesehen davon, dass jenseits des Ozeans auch George Frederick Bristow, der Mendelssohns frühromantischen Sturm-und-Drang-Stil in gewisser Weise nachahmte, in den Symphonien gerne Gebrauch von der Trompetensektion machte, ist festzuhalten, dass der Klappentrompete in jeglichen Orchesterpartituren der Napoleonzeit und bis weit ins 19. Jahrhundert hinein der Spielraum teils durch selbstständige(re) Stimmführung teils durch Zuweisung eigenwilliger Kadenzen, an deren Stelle bis dahin häufig die Echowirkung imitierter Passagen durch die Blechbläser stand, erweitert wurde.

Einspielungen u.a.
Klassische Trompetenkonzerte von Haydn, Hummels und Neruda mit Niklas Eklund

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.