Die Hörerwelt von Basiles "Pentameron" - in Musik nachempfunden

Aufgeschnappt: während einer Zeitreise ins historische Neapel

Ganz passend zum Weltfrauentag heute: Zehn Personen ausschließlich weiblichen Geschlechts erzählen sich an fünf Tagen jeweils zehn Märchen, die man streng genommen als Derivate antiker Tierfabeleien bezeichnen müsste, denen aus der Gegenwartsperspektive nur „märchenhafte“ Züge eignen. Bekanntlich handelt es sich um die erste europäische Märchensammlung überhaupt, die in dieser Form nur auf der Basis von gleichartigen Aneinanderreihungen kleiner Erzählungen mit Rahmen in der Tradition von Boccaccios Decamerone möglich wurden. In barockem Gewand spiegelt Giambattista Basiles bunte napoletanische „Mären“-Mixtur lange vor Charles Perraults Contes die Vielfalt der mündlich rezipierten und weitergegebenen (Klatsch-)Geschichten, Mythen, Legenden und Sprüche um 1634, der Entstehungszeit der Sammlung.

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Im Februar 2019 erschien von Oni Wytars eine CD zu Basiles ‚Pentameron‘, die Stimmungen der Zeit um 1634 musikalisch spiegelt (ASIN: B07KZHVGY5, Deutsche Harmonia Mundi).

Nun hat sich das italienische Ensemble Oni Wytars vom „Fünftagewerk“ Pentameron seinerseits zu einem dramaturgisch sinnvoll strukturierten Ganzen inspirieren lassen, das die populare Musik aus den Straßen Neapels im 16. und 17. Jahrhundert abzubilden vermag – nicht mehr und nicht weniger. Dabei kommen zeitgenössische Komponisten wie der einst in Venedig wirkende Kapellmeister Baldissera Donato (ca. 1530 – 1603) zu Wort und Ton.

Keineswegs strebten die Musiker/innen um Sängerin Gabriella Aiello und Dudelsackbläser Peter Rabanser ein Singspiel oder gar opernnahes Gesamtkunstwerk an.

Eric Sahlström gilt als Pionier der Schlüsselfidel in seinem Mutterland Schweden. Marco Ambrosini, hier neben dessen Monument sitzend, machte das Instrument wieder in ganz Europa salonfähig (Hisselsberg, 8.3.2008, GNU Free Doc. Lic.).

Tatsächlich ging es darum, zu einem Teil nahezu vergessene Instrumente der italienischen Renaissance in ausgelassenen Tänzen wie dem Saltarello und zur Begleitung munterer wie besinnlicher Lieder erklingen zu lassen, die sonst nur das Gehör absoluter Spezialisten und Musiker kennt: Dazu zählen die Tamburin-Variante Tamorra, die schwedische, im Ensemble von Marco Ambrosini gespielte Nyckel-harpa, zu deutsch Schlüsselfidel, die Drehleier und die Langhalslaute Colascione. Beim Konvergience Chamber Music Festival in Bratislava 2018 sorgte die bereits 1983 begründete Truppe Oni Wytars für nachhaltigen Applaus, zu dem die Produktion der aktuellen CD weiter beitrug.

Nächster Konzerttermin vom 22.-24.3.2019

 

 

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.