Töne aus den Staaten: Missouri, British Columbia, Kalifornien

Indianische Musikkultur: von einer Organistin ins Bewusstsein gerückt

Als Impulsgeber für Musikrezeption und -forschung, gerichtet sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft, war zu Beginn der 1960er Jahre Emma Lou Diemers symphonisches Panorama zu Themen indigener, mithin indianischer Musik sicher überfällig.

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Bei Satwiwa im kalifornischen Newbury-Park trafen sich im August 2017 Mitglieder der Chumash – unter anderem zum Zweck rituellen Musizierens (9.8.2017, CC-Liz.). Ein Tanzfest der Chumash bildet den Hintergrund einer Orchesterkomposition von Emma Lou Diemer (geb. 1927).

Symphony on American Indian Themes: Der große 2. symphonische Wurf der Konzertpianistin und Organistin mit Wurzeln in Kansas City wurde als Dissertation von den damaligen weithin namhaften Kompositionslehrern der Eastman School of Music, nämlich Bernard Rogers und Howard Hanson, betreut und zeitigte eine Reihe von Orchesterwerken, die sich außer europäischen Großformen wie der Suite mit Vorliebe den traditionslebendigen Regionen der nordamerikanischen Ureinwohner widmeten: Unter anderem schrieb Lou Diemer 1984 die halbelektronische Komposition A Day in the Country für Klarinette und Tonband, 1995 ein einsätziges Konzert für Orgel mit dem programmatischen Titel Alaska, 2004 folgte die gleichfalls symphonische Chumash Dance Celebration, die auf den rituellen Tänzen der Pow Wows zum Wechsel der Jahreszeiten beruht.

Führt Dirigenten durch Emma Lou Diemers Chor- und Orchesterwerke: ein Handbuch von Jennifer Morgan Flory (LAP LAMBERT, ISBN-13-978-365948747-7, 2013).

Das andere große Interessensgebiet von Emma Lou Diemer bildete, worauf ihr einstiges Orgelstudium hinweist, geistliche Musik für Chor, psalmenbasierte Kammermusik und hymnische sowie virtuose Orgelwerke. Dabei schenkte sie in zahlreichen Kompositionen besonders dem Schlagwerk Aufmerksamkeit: Konzentriert vermitteln sich diese unterschiedlichen Strömungen in der Vertonung des 121. Psalms Davids für Orgel, Blechbläser und Perkussion im Millenniumsjahr 2000. Ihre Beiträge zum Toccatenrepertoire machten nicht vor alternativen Instrumentierungen halt: So schrieb sie bereits 1955 eine Toccata für die Marimba und viel später, 2004, eine ebensolche für die Besetzung mit zwei Xylophonen, zwei Marimbas und zwei Vibraphonen. Etwas ungewöhnlicher mutet in diesem Reigen ein Konzert für Cembalo und Kammerorchester (1979) an.

‚Pacific Ridge‘: Neben Kirchenmusik beschäftigen die vielseitige Komponistin, Pianistin und Organistin Emma Lou Diemer auch ursprüngliche Landschaften (ASIN: B00ARWDQZ2, Navona Records, 2013).

 

Auffällig ist bei aller Variabilität des Instrumentariums, dass die langjährige Organistin ihrer Heimatstadt Kansas ethnologisch begründete, weltliche europäischen Zuschnitts und am Glauben orientierte Konzeptionen nicht vermischt, sondern scharf trennt, dem jeweils kulturell Anderen, selbst chinesischen Liebesgedichten, jedoch immer Respekt zollt. Musikalischer Ausdruck christlicher Frömmigkeit und eine Förderung der Besinnung auf die eigenständigen indianischen Klangkulturen führen aber weder zu einer Mischung noch schließen sie sich gegenseitig aus.

 

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.