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Klingende Heilkunde

The Mute Gods: „Atheists And Believers“ (Inside Out/Sony Music)

The Mute Gods – Atheists And Believers (Inside Out/Sony Music)
Mehr gut abgehangenes Fleisch gibt es hingegen auf dem dritten Album der Band um Nick Begg zu verzehren. Das verwundert kaum, handelt es sich doch um Modern Prog der leichtfüßigen Sorte, bei dem fein gefasertes Songwriting stets den Vorzug gegenüber technischer Prahlerei genießt. Zwar werden weder der Überschwang des Erstlings Do Nothing Till You Hear From Me, noch die erstaunlich prononcierte Aggression von Tardigardes Will Inherit The Earth angegangen, doch Atheists And Believers funktioniert prächtig, – sozusagen als Kompromiss zwischen Lässigkeit und Druckaufbau. Inhaltlich greift Nick Begg erneut brisante Themen auf, doch mehr als gängige Plattitüden sollte man nicht erwarten. Muss ja auch niemand, – zumal die Kompositionen, die Arrangements sowie die Produktion (Keyboarder Roger King) mehr als mustergültig sämtliche Ansprüche erfüllen, die man einer Band wie The Mute Gods zurecht zumutet. Ohne Beanstandung. Mit jederzeit ungefährdeter Bodenhaftung.

facebook.com/themutegods

Sophie Zelmani: „Sunrise“ (Oh Dear Recordings/Cargo)

Sophie Zelmani – Sunrise (Oh Dear Recordings/Cargo)
Soeben besagter Grip lässt sich bei der zartesten Versuchung schwedischen Folkpops indes leicht verlieren. Und das selbstverständlich mit voller Absicht: Schon mit dem ersten Cello-Einsatz des Openers driftet man nur allzu gerne ab. In eine friedvoll hoffnungsfrohe Hemisphäre. Und da hat Sophie Zelmani selbst noch gar nicht eingesetzt. Im weiteren Verlauf harmonisiert ihr Gesang verlässlich mit immer wieder erstaunlichen Klangfarben, dank derer hier sämtliche Fallstricke der Redundanz souverän umgangen werden. Dass sich die melancholischen Affekte einer vorbildlichen Schüchternheit unterzuordnen haben, kann weiterhin nicht als verzärtelter Makel deklariert werden. Wer ihr wesensfremde Züge andienen wollte, würde die Stärken der Sophie Zelmani verkennen. Stärken, die sie auf Sunrise vollends ausspielt. Die überaus cleane Verfassung, sie gehört einfach dazu.

facebook.com/sophiezelmani

Tal Wilkenfeld: „Love Remains“ (BMG Rights Management/Warner)

Tal Wilkenfeld – Love Remains (BMG/Warner)
Da bevorzugt es die begnadete Bassistin Tal Wickenfeld auf ihrem ersten Songwriter-Album wesentlich direkter und rauer (ihre 2008 veröffentlichte Scheibe Transformation bot ausschließlich Fusion-Jazz-Jams). Aber das beherzt rockende Fundament verstellt nicht den Blick auf die Feinfühligkeit, mit der sich das Phänomen Wilkenfeld eine breite Palette an Emotionen zu eigen macht. Mag sein, dass die beratende Funktion eines Jackson Brown hieran nicht ganz unschuldig ist. Dennoch ist vor allem jederzeit das Selbstvertrauen des viel gefragten Wunderkinds (Prince, Allman Brothers, Herbie Hancock) spürbar, mit dem sie ihre mal ruppigen, überwiegend jedoch unwiderstehlich eingängigen Songs ausstattet. Handwerk schützt vor Frische nicht. Die Unterstellung, ambitioniert zu sein, verfehlt die Fakten. Denn mit Love Remains präsentiert sich eine Könnerin, die sich noch nicht einmal den Vorwurf gefallen lassen muss, erst jetzt aus dem Schatten ihrer berühmten Kundschaft hervorzutreten. Ganz gewiss nicht.

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Blundetto: „Cousin Zaka (Vol.1)“ (Heavenly Sweetness/Broken Silence)

Blundetto – Cousin Zaka (Vol.1) (Heavenly Sweetness/Broken Silence)
In Anlehnung an den Hinweis auf die Reissue-Box von Michael Rother in der letzten Folge ergeht zum Abschluss dieser Auswahl eine besondere Empfehlung für Freunde traumhaft gestalteter Gitarren-Patterns in einer betont wärmenden Umgebung. Will sagen: Streckenweise ist die gefühlte Nähe zum berühmten Rother-Sound auffällig. Umso mehr überrascht die Urheberschaft von Cousin Zaka (Vol.1): Handelt es sich dabei doch um Max Guiget, der bislang mit satt schleppenden Downbeat-Reggae samt Latin/Tropical-Einschlag auf sich aufmerksam machte. Doch davon ist hier – bis auf eine genussvoll laue Stimmung oder dem ein oder anderen Groove – kaum etwas zu vernehmen. Stattdessen kategorisch kaum greifbarer Ambient-Folk, der sich in gelassener Schönheit windet und am ostentativen Müßiggang weidet. Eine wahre Zier für den Schöpfer. Eine wahre Pracht – für jede freie Minute des geneigten Hörers.

facebook.com/blundettomusic

Unbedingt. Nicht unbedingt. Und „alle Kreter sind Lügner“ (Epimenides, der Kreter).

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