Trends und Rares in den aktuellen Klassik-Charts

Nachkarnevalesk bis nachdenklich: Offenbach, Sousa, Parry

Jenseits der Mainstream-Hommagen, Motto-Mixturen und Potpourris soli musico vel compositori gloria gibt es noch eine alternative Chart-Liste innerhalb der 100 Bestbewerteten. Diese wird im Monat März 2019 angeführt von Sir Hubert Parrys Klaviertrios Nr. 1 & 3 in Verbindung mit seiner Partita für Violine und Klavier, aufgenommen vom Leonore Piano Trio, zu dessen Kreis die Cellistin Gemma Rosefield zählt. Der spätere Leiter des Royal College of Music wurde zu Lebzeiten (1848 – 1918) vor allem für seine symphonischen Chorwerke geschätzt, die maßgeblich die Entwicklung der englischen Chormusik im 20. Jahrhundert bestimmten.

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Bernd Alois Zimmermanns ‚Die Soldaten‘ nach einem Schauspiel von J.R.M. Lenz sind bekannt, weniger Werke wie das Violinkonzert von 1950 und ‚Photoptosis‘ (ASIN: B07LD4P45X, Ondine, 8.3.2019).

Die Geigerin Leila Josefowicz schenkte ihre Aufmerksamkeit dem seinerzeit, 1950 nämlich, konsequent modernen Violinkonzert von Bernd Alois Zimmermann ebenso wie das Finnische Radio-Symphonie-Orchester unter Leitung von Hannu Lintu in einer neuen Einspielung dessen 1968 komponiertem Stück Photoptosis und der einem breiteren Publikum bekannten Vokal-Symphonie Die Soldaten, entstanden in einem längeren Schaffensprozess zwischen den späten 1950er und frühen 1960er Jahren.

Eine originelle Kombination: Edgar Moreau verbindet Offenbachs ‚Concerto militaire‘ mit Guldas Cellokonzert (ASIN: B07KLPTWDJ, Erato, 2019).

Im Trend liegt offenbar weiterhin Jacques Offenbach, dem nicht nur ein Koloratur-Album der Sängerin Jodie Devos gewidmet ist, sondern auch eine eher selten unternommene Einspielung des Grand concerto, auch namhaft als Concerto militaire, mit dem jungen Solisten Edgar Moreau. Dieser setzt hier mit Friedrich Guldas Konzert für Cello, Blasorchester und Band noch einen originellen Farbtupfer darauf; Raphael Merlin leitet dabei das Orchester Les Forces Majeures.

Kammermusik von Hubert Parry (1848 – 1918) verschwindet häufig hinter seinen Chorsymphonien (Klaviertrios; Partita; ASIN: B07JZB1X5Z, Hyperion 2019).

Dirigent Keith Brion zusammen mit dem Trinity Labon Wind Orchestra nahm sich einmal mehr der schmissigen Märsche und Tänze für Blechcombo von John Philip Sousa an; Naxos legt in der Werkedition zu Ehren des Erfinders eines allseits beliebten großformatigen Blasinstruments damit bereits die 18. Folge vor. Da von ihr noch nicht allzu viele Aufnahmen bekannt wurden, ist zudem besonders auf Mirga Gražinyte-Tylas Interpretation von Weinbergs Sinfonien Nr. 2 und 21 mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra hinzuweisen ebenso wie auf den zweiten Teil der bisher weitgehend im Verborgenen gebliebenen Orchesterstücke Gabriel Faurés, gespielt vom Sinfonieorchester Basel unter Ivor Bolton, zur Erscheinung vorgesehen im Mai 2019.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.