Interview mit Sarah Nücken (Mrs. Greenbird)

„Nun haben wir in der Album-Dimension gedacht“

Mrs. Greenbird (facebook.com/mrs.greenbird)

amusio: „Und was hat es mit 1963 auf sich?“

Sarah Nücken: „1963 kommt mit einem Augenzwinkern daher. Der Song wurde von Hartmut und Ingrid inspiriert. Ein älteres Paar, das in Köln-Ehrenfeld den ganzen Tag vor dem Kiosk sitzt und sich gegenseitig unaufhörlich versichert, dass früher alles besser war. Manches mag ja wirklich besser gewesen sein. Aber sie verkennen, dass eben nicht alles besser war.“

amusio: „Ihr bekennt euch offen zu eurer lokalen Herkunft. Früher Köln-Ehrenfeld, wo ihr euch im legendären Club Underground kennengelernt habt. Heute Köln-Nippes, von euch liebevoll Nippessippi genannt. Wie verträgt sich dieser Anstrich mit eurem international orientiertem Americana-Format?“

Sarah Nücken: „Definitionen kommen stets von außen. Unser Zuhause ist immer dort, wo wir und unsere beiden Hunde sind. Unsere Musik entsteht im Bauch. Und dort kommt auch schon die Americana ins Spiel. Ich höre kaum etwas anderes! Aber es ist uns bewusst, dass in den Staaten keiner einen deutschen Act braucht, der sich der Americana verschrieben hat. Und auch hier verstehen viele nicht, warum wir eine Musik machen, mit der wir eigentlich nicht aufgewachsen sind.“

amusio: „In diesem Sinne dürfte es zum Beispiel auch keinen deutschen Hiphop geben. Der weist ja auch keine zentraleuropäischen Wurzeln auf…“

Sarah Nücken: „Aber er funktioniert, weil man die Sprache versteht. Zu uns kommen immer wieder Leute, die sich darüber beklagen, dass sie unsere Texte nicht verstehen. Und sich wünschen, dass wir deutsch singen. Aber das würde unserem Bauchgefühl nicht entsprechen.“

amusio: „Du betonst das Bauchgefühl. Aber spielt nicht auch der Kopf eine Rolle? Die Synapsen der grauen Zellen? Die Erfahrungen, die eventuell auch in eine Form von Routine einzahlen?“

Sarah Nücken: „Routine ist der Zweifel an dem, was um die Musik herum geschieht. Da sind wir gezwungen mit dem Kopf zu arbeiten: das Booking, das Management, die täglich rund einhundert Mails, die beantwortet werden wollen. Das kann man nicht ohne den Kopf bewältigen. Aber wir können keine verkopfte Musik machen! Weder Formeln noch Schemata anwenden. Für Dark Waters haben wir uns viel Zeit genommen, um uns kreativ auszutoben. Von nahezu allen Songs existierten am Schluss drei Versionen.“

amusio: „Und welche Instanz hat entschieden, welche Version aufs Album kommt? Der Kopf oder der Bauch?“

Sarah Nücken: „Das Herz! Und der Faktor Zeit. Irgendwann mussten wir uns dann doch einfach mal disziplinieren. Und einen Song als fertig erachten. Um nicht noch weiter daran zu feilen, nicht noch mehr auszuprobieren. Sonst hätten wir bis heute noch kein Ende gefunden.“

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