HVOB in der Kölner Live Music Hall

Abend versus Nacht

HVOB in Köln (Stephan Wolf)

Mit ihrem in jeglicher Hinsicht beeindruckenden Doppelalbum Rocco in petto gehen Anna Müller und Paul Wallner alias HVOB auch in einer nahezu ausverkauften Venue zu Köln Ehrenfeld an den Start. Doch dem neutralen Beobachter machen sie es samt ihres mitgereisten Drummers nicht leicht: Zwar bleiben die vollumfänglichen Atmosphären des aktuellen Programms auch in der Live-Darbietung erhalten. Jedoch unterlassen es HVOB geflissentlich, Ecken und Kanten einzubauen, die das Wohlfühlerlebnis würzen würden.

So wähnt man sich mitunter auf einer Veranstaltung, die sich nicht so recht entscheiden kann, ob sie nun in Konkurrenz zu Schiller treten oder lieber doch zu einer zünftigen Techno-Party animieren will. Die Stimmung im Saal verbleibt in einer seltsamen Form der Schwebe. Und wenn dies genau der Effekt sein soll, den HVOB zu erzeugen gewillt sind, kann ihnen nur ein vollkommenes Gelingen attestiert werden.

HVOB in Köln (Stephan Wolf)

Aufgrund einer den üblichen Umständen geschuldeten Reduktion der klangbildenden Detailvielfalt macht sich im Laufe der Zeit eine eigentümliche Konformität der Ereignisse breit, die wahlweise begeistert oder ermüdet. Was auf dem Album immer wieder aufs Neue zu überraschen versteht, offenbart nun seine berechenbaren Stromlinien. So entsteht der Eindruck eines doch an sich recht harmlosen Schmuse-Techno, der seine Fallstricke und Abgründe allenfalls dezent andeutet. Knackig oder rasant geht anders.

Dass diese Gleichförmigkeit irritiert, kann wiederum als das besondere Plus des Konzerts gewertet werden. Erzeugt sie doch eine Ambivalenz, die dem Ganzen letztlich doch wieder jene Anspannung verleiht, die mit jedem Track das Verlangen nach dem nächsten schürt. Schade nur, dass sich dieser Abend nicht in eine ganze Nacht ausweiten darf. Doch wer weiß, was das Publikum anschließend noch so alles vor hat…

18.04. Hamburg (Docks)
19.04. Berlin (Funkhaus) – ausverkauft
20.04. Berlin (Funkhaus) – Zusatzkonzert
21.04. Leipzig (UT Connewitz) – ausverkauft
27.04. A-Graz (Orpheum)
28.04. München (Muffatwerk)

Bloom:
youtube.com/watch?v=FwXUxPYiwUc

hvob-music.com
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