Ein Land mit langer Vokaltradition feiert die Klassik

International nach Mittsommer

Einmal abgesehen davon, dass weltweit bedeutende quicklebendige Musiker/innen und Dirigenten wie Mariss Jansons in der Hauptstadt Riga aufwuchsen (und sie immer wieder auch aus beruflichem Anlass aufsuchen), kann das mittlere der baltischen Länder auf die reiche Folkloretradition der Dainas, populärer Kurzgesänge, verweisen, die ihrem Text nach häufig vorchristliche Götter- und Heroenmythen thematisieren. So spielt in den lettischen Liedern etwa die Sonnengöttin Saule oder der Mondgott Meness eine wichtige Rolle …

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Kokle-Zither im Nationalmuseum: Das Instrument charakterisiert die folkloristische Instrumentalmusik Lettlands seit Jahrhunderten (Turits, 17.9.2016, CC-Liz.).

Die Kokles, eine bestimmte Form der für verschiedene Anlässe genutzten Zither, geht weit in die frühe Neuzeit zurück; der Gebrauch des Instruments einschließlich seiner Musik konnte sich freilich nur in zwei Regionen Lettlands, nämlich in Latgale und Kurland, behaupten, doch brachte die Wiederbelebung einiges Verschollene ans Tageslicht.

Mikhail Pletnev leitet das Russische Nationalorchester (12.9.2009, Чръный человек, CC-Liz.).

Die eigentliche Wirkungsmacht liegt in Lettland seit urdenklichen Zeiten auf der Chormusik; nicht zuletzt wegen ihrer besonderen Stellung im klassischen Konzertleben fanden auch die World Choir Games 2014 in Riga statt. In diesem Jahr veranstaltet die Hauptstadt ihr sommerliches Jurmala Music Festival, zu dem Orchester und Dirigenten von Weltrang an vier Wochenenden vom 19. Juli bis zum 1. September beitragen werden.

Die lettische Stadt Jurmala wird in diesem Sommer Zentrum der Klassik – mehr noch als des Strand- und Badesports sein (Matthewmeyer, Strand von Majori, GNU Free Doc. Lic.).

Geladen und angekündigt sind 2019 die Israel Philharmonic, die Londoner Symphoniker, das Nationalorchester Russlands und das Bayerische Radio-Sinfonieorchester aus München. Mariss Jansons, der aus Partituren von Sibelius, Prokofjev und Strauss dirigiert, ist mit von der Partie, ebenso seine (freilich nur männlichen) Kollegen Mikhail Pletnev, Zubin Mehta sowie Gianandrea Noseda Vater und Sohn. Als Solisten treten unter anderen der lettische Pianist Lukas Geniušas, die Sopranistin Ying Fang und die Geigerin Alexandra Conunova auf.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.