Kirill Richter - Chronos / Runar Blesvik - Sedate

Zweierlei Ligen

Kirill Richrer: „Chronos“

Bereits als „Genie“ oder „Wunderkind“ im Gefolge von Max Richter oder Nils Frahm apostrophiert, erweist sich der Moskowiter Kirill Richter auf Chronos – seinem ersten Album, das keiner Auftragsarbeit zugrunde liegt – als leichtfüßig-romantisierender Posterboy der jüngsten Neoklassik-Generation am Piano. Sein entfernter Kollege Runar Blesvik aus Oslo widmet sich hingegen auf Sedate (Fluttery Records) der Verschmelzung aus Klavier und Synths im Sinne des Wohlfühl-Ambient. Beide sind nur zu empfehlen.

Er habe jahrelang an Chronos gearbeitet, wird kolportiert. Was kaum verwundert, hat sich Kirill Richter in seiner bereits etliche Jahre währenden Musikerkarriere zuvorderst durch Live-Auftritte oder der Erschaffung des offiziellen Musikthemas für FOX Sports zur letzten Fußball-WM einen Namen gemacht. Schon außergewöhnlich, das jemand, der schon viele Festivals und Konzertsäle beglückte, erst jetzt mit einem Album seine Lorbeeren auch als Konserve zu rechtfertigen ersucht.

Es ist ein reizvoll zwiespältiges Album geworden: Die überwiegend konische Form seiner Scherzi konterkariert Kirill Richter auf Chronos mit mindestens knietief in der romantischen Tradition verwurzelten Romantik der Schuberts und Listzs. Von Streichern sekundiert, wählt er dort den Weg der unvermeidlichen Rührung. Doch aufgrund seiner gewitzten Variation zwischen Reverien und Uptempo erweist sich der auch als Modedesigner zu Ehren gekommene Russe als Sentimentalist ohne ätherische Scheuklappen. Und verleiht dem stets etwas behäbig überfrachtet anmutendem Genre eine illustre Frische. Im Denken und Handeln.

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