Pfade durch die Musiklandschaft Australien LXI

(Not only) Ragtime Remembered

Selbstverständlicher als in Europa wohl trommeln Kunstschaffende aus der Neuen Welt und vom fünften Kontinent auf verschiedenen Hochzeiten. Nur ein Beispiel dafür ist die Amerikanerin Mary Mageau aus Milwaukee, die im vierzigsten Lebensjahr nach Studienjahren und Engagements als Dozentin einen australischen Gastlehrauftrag annahm – mit Folgen: Denn sie heiratete dort den Architekten Kenneth White, nahm die australische Staatsbürgerschaft an und lebt seither in Queensland. Sie ist ebenso Schriftstellerin wie Cembalistin, Komponistin und Musikpädagogin.

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Die amerikanische Cembalistin und Komponistin Mary Mageau (* 1934) kam wegen eines Lehrauftrags nach Australien – und blieb (Move Records).

Eigenem Bekenntnis nach versucht sie mit jedem neuen Werk Innovation in den Konzertsaal oder auf die Bühne zu bringen, freilich nicht im formalen Sinn, etwa was Satztechnik und Besetzung betrifft, sondern mit der Absicht, jeweils „Bedeutung“ oder „Bedeutsames“ zu vermitteln. Larry Sitsky benannte anlässlich einer Gesamtschau auf ihr Schaffen Verbindungen zu Scott Joplin, auf dessen Kompositionstechnik sie (indirekt) rekurriert und die sie ihrem persönlichen Stil einverleibte und in moderner Weise transformierte. Sitsky bemerkte an Mageaus Kammermusik gleichermaßen eine mit den Jahren zunehmende Eleganz und Verfeinerung.

Von der CD ‚I am an American Woman“ sind sowohl Werke von Elizabeth Bell als auch Sharon Hershey und Mary Mageau zu hören (ASIN: B000004A6Z, Vienna Modern Masters, 1995).

Zielen ihre wichtigsten Veröffentlichungen auf spirituelle Erneuerung durch Natur und Landschaft, so ist ihre Musik buchstäblich „bodenständig“ und ganz auf konkrete, visuell greifbare Inhalte bezogen zu verstehen: Nach Ragtime Remembered für Klavier (2000), der sich maßgeblich auf Scott Joplin als dessen eigentlichen Urheber zurückbezieht, legte sie davon kruze Zeit später eine Version für Streichquintett vor. She Is a Cat ist ein witziger Titel für Sopran und Klavier, der ebenso um die Jahrtausendwende entstand. In früheren Schaffensjahren beschäftigten sie Naturthemen, etwa in der solistischen Klavierkomposition Moonlight Reflected on Water (1984) oder Calls from the Heartland (1995) in der Besetzung Violine mit Klavier. Popularität erlangte sowohl in Australien als auch in den USA ihr Triple Concerto für Klaviertrio und Orchester.

Für ihre Werke erhielt Mary Mageau, einst Schülerin von Leon Stein, Leslie Bassett und Ross Lee Finney an der University of Michigan diverse Preise, unter anderen die Silbermedaille aus dem Internationalen Kompositionswettbewerb Louis Moreau Gottschalk und 1994 anlässlich der Alienor Harpsichord Concerto Competition for Composers.

Diskographie Mary Mageau

Elite Syncopations (Barbara Borecka, Klavier)

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.