Mit langer Tradition in Pannonien:

(Be)rauschend und volltönig: das Cymbalom

Vom griechischen κύμβαλον abgeleitet machte das Zimbalon insbesondere im südost(mittel)europäischen Raum Karriere; aus diesem Grund sind etwa die rumänischen, russischen und polnischen Begriffe der Ursprungsbezeichnung ziemlich ähnlich. Eigentlich handelt es sich um ein geklöppeltes Hackbrett, wie es seit langem in den Ensembles von Zigeunerfamilien üblich war. Im Land, das ihm den Namen gab, gehörte zu seinen namhaften Spielern in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts unter etlichen anderen Kostas Papagika.

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Dieses Hammerdulcimer ist mit Dämpfungsmechanik ausgestattet (Jeffmatt, 16.3.2006, GNU Free Doc. Lic.).

Gegenüber verschiedenen historischen Modellen verfügt das moderne Cymbalom bei einem Ambitus vom großen D oder E bis zum dreigestrichenen e über ganze 35 Saitenchöre, in der Unterlage über 16 dreifach, in der Höhe über 19 vierfach besaitete Chöre aus Stahl. In der Regel steht das Instrument auf vier Beinen, besitzt zusätzlich ein Dämpfpedal und wird mit zwei Klöppeln gespielt. Womöglich liegt es an seiner Zuschreibung an „wanderndes Volk“ und an der Geringschätzung eines vorläufig nur durch mündliche Weitergabe tradierten Volksmusikrepertoires, dass das Cymbalom bislang lediglich in Budapest und Minsk seinen Weg an die Musikhochschulen gefunden hat.

Ein außerordentlich fein gearbeitetes und verziertes Cymbalum aus dem 18. oder 19. Jahrhundert befindet sich im großen staatlichen Musikinstrumentenmuseum Rom (LPLT, 28.1.2010, CC-Liz.).

Das „klassische“ Repertoire ist dabei einigermaßen überschaubar: Gelten auch Zóltan Kodálys Háry János und Igor Strawinskys Renard als bekannteste Beispiele, so können im Bereich der Kunstmusik auf der Basis eines weitreichenden folkloristischen Einflusses (dessen Ausübung darum nicht weniger Kunstfertigkeit abverlangt) sicherlich die meisten Komponisten für diese Form des Hackbretts in Ungarn ausgemacht werden.

Eine Gruppe ungarischer Zigeunermusiker, denen die Musik sozusagen „im Blut liegt“, macht gerne Gebrauch vom Cymbalom (Dennis Jarvis, Halifax, Kanada, 2.5.2012, CC-Liz.).

Dabei kann Mihály Mosonyis bravouröses Orchesterstück Hódolat Kazinczy Ferenc szellemének von 1860 als Anlass für die immer wieder aufgegriffene Verwendung im symphonischen oder kammermusikalischen Zusammenhang gelten: In der ein Jahr später aufgeführten Oper Bánk bán von Ferenc Erkel spielt es eine größere Rolle, Franz Liszt nutzte es 1878 in der revidierten Version eines Marschs, später trugen György Kurtág und Péter Eötvös mit Kompositionen bei.

Manchmal blitzt das Cymbalom, das im übrigen mit dem persischen santur verwandt ist,  in Werken anderer europäischer Vertreter der Moderne auf, so in Henri Dutilleux‘ Mystère de l’instant, Bernd Alois Zimmermann gesellt es in einem Violoncellokonzert der solistischen Stimme zu. Nicht zu übersehen ist, dass das virtuose Hackbrett neben Rumänien, Moldawien und Polen auch in Weißrussland, der Ukraine, in Litauen und der Slowakischen Republik längst weitgehende Popularität genießt. Doch bestehen Desiderate in bestimmten Bereichen: Im Jazz manchmal, in avantgardistischer Musik aber kommt das Hackbrett bislang eher selten zum Einsatz …

Dulcimer Family Reunion 2016

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.