Glen Hansard, Köln, Philharmonie, 08. Mai 2019

Emotionale Opulenz mit Singalong

Glen Hansard in der Kölner Philharmonie (Stephan Wolf)

Dass Glen Hansard den eigenen Anspruch längst von seinen Anfängen als Folk-Troubadur gelöst hat, wird nicht allein schon aufgrund der Wahl seiner Spielstätten evident. Auch der personelle Aufwand, den er auf seiner Tour zum aktuellen (und großartigen) Album This Wild Willing betreibt, unterstreicht das neue, musikalisch erweiterte Selbstverständnis des Iren: So begleitet ihn auch in Köln ein neunköpfiges Ensemble durch ein gut zweieinhalbstündiges Programm, dessen abwechslungsreich inszenierte Brillanz die nahezu ausverkaufte Philharmonie begeistert.

Über den Stellenwert von This Wild Willing lässt Glen Hansard keinen Zweifel zu. Mit Inbrunst intoniert er zunächst einmal drei Titel seines Meisterwerks (Fool’s Game, I’ll Be You, Be Me, Don’t Settle), wobei er dem großzügig erweiterten Klangkörper sukzessive Raum zur Entfaltung gewährt. Dieser Auftakt scheint jene Teile des Publikums besonders zu beeindrucken, die das Album noch nicht kennen (und Glen Hansard nach wie vor mit den alten Zeiten – The Swell Season – identifizieren). Später werden noch Leave A Light, Good Life Of Song und The Closing Door eine Setlist bereichern, die insgesamt dann doch sämtliche Schaffensphasen berücksichtigt. Falling Slowly inklusive.

Glen Hansard in der Kölner Philharmonie (Stephan Wolf)

Stimmlich befindet sich Glen Hansard in absoluter Bestform. Um dies zu beweisen, hätte es seine immens beeindruckende Performance von Grace Beneath The Pines – wo er ohne Mikrophon die Philharmonie zum wohligen Erschaudern zwingt – gar nicht gebraucht. Nicht minder beeindruckend fällt das exakte und bestens dosierte Zusammenspiel aus, welches das Ensemble mit seinem stets dominanten Nukleus verbindet. Selbst innerhalb eines einzelnen Songs changieren die Klangfarben. Ungeahnte Dimensionen werden erschlossen, faszinierende Dynamiken erregen die Gemüter. Die Duelle mit dem zweiten Gitarristen bilden hierbei eine besonders freizügig und lustvoll zelebrierte Auflockerung der Präzision.

Je länger der Abend währt, desto häufiger sucht Glen Hansard den direkten Kontakt zum Publikum. Das gelingt nicht immer wunschgemäß. Etwa als er feststellen muss, dass sich die Kölner anlässlich seines Covers von Cohens Bird On A Wire wider Erwarten nicht als textsicher erweisen. Aber er nimmt das natürlich sportlich, – und wird mit einem Geburtstagsständchen versöhnt (in Form eines vom Auditorium spontan eingeläuteten Kanons), das zugleich der Cellistin sowie dem Bassisten (Joe Doyle) gewidmet ist.

Glen Hansard in der Kölner Philharmonie (Stephan Wolf)

Anschließend wird es familiär: Auf der Bühne wird Whisky gereicht, der zuletzt eng mit Hansard kooperierende Theatermann François Lecoq aus Paris schmettert als Gast eine weitere Interlude. Als sich die Band geschlossen auf die oberen Zuschauerränge begibt und dort ein weiteres Singalong stiftet, erweist sich diese launige Nähe als überaus würdiger Abschluss eines Konzertereignisses, das bei aller opulent aufbereiteten Expertise die Klaviatur der Gefühle vollumfänglich zu bespielen verstand. Schlicht grandios.

Heute Frankfurt/Main (Alte Oper)
16. / 17. / 19. Mai Berlin (Admiralspalast)

Brother’s Keeper:
youtube.com/watch?v=NQyNG7WpRcE

Don’t Settle (Live, Paste Studios, New York):
youtube.com/watch?v=wX26eW_GgaI

glenhansard.com
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