Dactah Chando meets Umberto Echo

Nicht gerade konservative Wächter des Dub

Das neuartige Raumschiff, mit dem der kanarische Sänger und Songwriter Dactah Chando zusammen mit Umberto Echo (der Name ist Programm) als Dub-Botschafter durchs Weltall der Musik reist, ist glücklich gelandet. Guardians of Dub, hervorgebracht in diesem Maimonat, ist bereits das dritte Kooperationsprojekt der Band mit dem Toningenieur – maßgeblich mitverantwortlich für das Sound Design – und Produzenten Echo nach den Alben Ansestral und Global Cityzen. Die Vorliebe für fremd-vertraute Namensgebungen und schräg-coole Schreibungen macht aber nur einen kleineren Teil des Erfolgs beim Reggae-, Club- und Dub-Publikum aus.

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Teils auf Roots-Reggae-Basis und doch nicht konservativ: Dactah Chandos und Umberto Echos gemeinsames Projekt ‚Guardians of Dub‘ (erschienen 6.5.2019, ASIN: B07RH6L5NX, Achinech Productions)

Genau genommen handelt es sich um das erste Dub-Album des kanarischen Sängers mit dem bürgerlichen Namen Antonio Fernando Bethencourt Sosa, nachdem er das Reggae-Repertoire bereits um sechs CDs bereichert hat. Schon in jüngeren Jahren assistierte der Künstler den Wailers am Schlagzeug und ist über die Jahre mittlerweile als feste Reggae-Größe etabliert, die sich besonders an die spanischsprachige Hörerschaft im Dreieck zwischen Südwesteuropa, Südamerika und Afrika wendet.

Dactah Chando ist durch seine Konzerte sowohl in Europa als auch Südamerika bekannt und ist auch schon in westafrikanischen Mauretanien aufgetreten. Besonders zwei Titel, die im Zuge der Aufnahme seines dritten Album Sabiduría Roots oder „Wurzeln der Weisheit“ entstanden, Predicalo und Natty,wurden zu wahren Ohrwürmern. Letztes Jahr nun ging Bethencourt Sosa mit der Formation The Evolution Band in ein Berliner Studio, um Global Cityzen zu produzieren – in Zusammenarbeit mit Umberto Echo, die nun ihre Fortsetzung fand.

Perkussionist, Sänger und innovativer Komponist: Dactah Chando (Liz. Soulfire Artists)

Die Stücke auf Guardians of Dub, voran das Intro Ring the Alarm Dub, wirken zunächst sehr synthetisch, sind aber gleichzeitig Rhythmus- und Klangfarbenexperimente als ziellos scheinender Vorstoß in die Weiten des Alls – wie es ja das MP3-Albumcover suggeriert. Dabei kommt Dactah Chandos Stimme beinahe nur sporadisch, aber teils deutlich verfremdet und verzerrt zum Einsatz. Clara Dub präsentiert vorzugweise authentische Trommelbeats als basso continuo, über dem verhallte Stimmen und Keyboard-Klänge geistern. Sigue tu camino wird durch Flötentöne aufgehellt, während Natty Dub als überarbeitete Version des Reggae-Songs Natty neben Dactah Chandos „authentischer“ Stimme eine E-Gitarre und Playback-Passagen einbezieht. Unkonventionell orchestriert und arrangiert kommt die abschließende Dub-Nummer Ahora es tiempo mit starker Roots-Reggae-Akzentuierung über den Äther. Interessante und effektvolle Details machen das Album insgesamt (mehr als) hörenswert …

Das Album wurde von Soulfire Artists zur Verfügung gestellt.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.