Kevin Richard Martin - Sirens

Latent erhellt

Kevin Richard Martin: „Sirens“ (Room40)

Wer das umfangreiche und langjährige Schaffen des Kevin Richard Martin (Ladybug, The Bug, God, Ice, Techno Animal) verfolgt hat, könnte angesichts seines Albums Sirens (40Room) – das in einer Urversion bereits 2015 auf dem CTM Festival im Berghain aufgeführt wurde – einem genetischen Fehlschluss erliegen. Wer diesen umgeht, wird nachempfinden, dass der Künstler sich hier selbst keineswegs fremd geworden ist. Sondern vermutlich „tiefer“ blicken lässt – als in seinen sämtlichen Projekten zuvor.

Auch möge der Vorwurf der Altersmilde ungehört verhallen, wenngleich der weitestgehende Verzicht auf den zermalmenden Druck sowie auf die maliziöse Selbstzerfleischung (God!) früherer Schaffensphasen zunächst einmal am Schädel kratzen lässt. Doch auch substituierte Indikatoren (wie der biographische Hintergrund, dass Kevin Richard Martin mit Sirens eine lebensbedrohliche Situation für Gattin und Stammhalter im Wochenbett reflektiert) greifen kaum, so man diesem Album deskriptiv gerecht werden will, ohne dabei die üblichen Plattitüden des Dark Ambient zu bemühen.

Es bleibt die eigenmächtige Empathie, um jene höchst differenziert verwobenen Kontrapunkte zu aufzuspüren, mit deren Hilfe Kevin Richard Martin das dumpf Diffuse, das dröhnend Dringliche immer wieder latent durchbricht. Jede weitere Analyse muss prosaisch bleiben. Oder, schlimmer noch, das Faszinosum Sirens desavouieren.

Too Much:
youtube.com/watch?v=zNuoADVcEV4

room40.bandcamp.com/album/sirens
facebook.com/kevinrichardmartinofficial

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