Vorhang auf für ...

… das erste Posaunenkonzert

Auch wenn es schwerfällt zu glauben: In der Renaissancezeit wurde der eigenständige Klang der Posaune deutlich mehr geschätzt als im 17. Jahrhundert; in der Barockzeit geriet es nicht alleine vorübergehend aus der Mode, es sind auch durch die Folgen des Dreißigjährigen Krieges kaum Noten überliefert, die ein Repertoire für eine solistisch gebrauchte Posaune bezeugen könnten.

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Bläser von heute mit ’sackbutts‘ oder Renaissance-Posaunen von damals (York Waits, 17,.12,2006, p.d.)

Die Bläserensembles der Stadtpfeifer bestanden zumeist aus Schalmeien, Zinken, Zugtrompeten und eben Posaunen, in denen spezifische Instrumenteneigenschaften durchaus gefragt waren. Geblasen wurde häufig von eigentlich für Vokalmusik vorgesehenen Vorlagen. Im zu Beginn des 17. Jahrhunderts erschienenen Syntagma musicum von Michael Praetorius werden die „Angehörigen“ solcher Renaissancecombos auch bildlich zusammen vorgestellt, insofern müssen diese um 1620 und 1630 durchaus noch gängig gewesen sein.

Leopold Mozart (1719 – 1787) war wahrscheinlich der erste Komponist, der ein Solokonzert für Posaune mit Orchester in Angriff nahm (hier mit Sohn Wolfgang Amadeus und seiner Schwester, Gemälde von Louis Carrogis Carmontelle, 1763, p.d.).

Im Hoch- und Spätbarock sind sie freilich nur spärlich bezeugt; J.S. Bach gebrauchte die Posaune gerade mal in 15 seiner zahlreichen Kantaten, wo sie lediglich Chorstimmen unisono verstärken. Der faktisch weltgewandte spätere Neu-Londoner Georg Friedrich Händel immerhin gab dem Instrument in Oratorien seine eigene Stimme, als junger Komponist mit La Resurrezione, viele Jahre später, 1739, in Saul und Israel in Egypt.

Mit einiger Sicherheit war der erste, der ein Konzert für (Alt-)Posaune und Orchester (in D-Dur) schrieb, Leopold Mozart; im Jahr 1756 wurde es wohl erstmals aufgeführt. Es besticht in der Führung der Solostimme durch seine ausgesponnene Melodiosität schon im ersten Satz; den Geist der frühen Wiener Klassik atmet es noch gar nicht, sondern ist ganz ein Kind der Epoche der Empfindsamkeit, mithin der Zeit Carl Philipp Emanuel Bachs, Christoph Willibald Glucks und Giuseppe Sartis.

Zum Nachlesen: Frederick J. Young; Georg Karstädt: Posaune. In: Musikinstrumente in Einzeldarstellungen. Band 2: Blasinstrumente. Kassel und München 1982(ff.). S. 281 – 297.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.