Hollywood Vampires - Rise

Muss für Millionen

Hollywood Vampires: „Rise“ (earMUSIC/Edel)

Benannt nach der von Alice Cooper in den wilden Siebzigern begründeten Säufer-Loge und den an dem dort ausgeübten Hobby zugrunde gegangenen Rockstars gewidmet, schicken sich Cooper, Joe Perry und Johnny Depp mit Rise (earMUSIC/Edel) ein weiteres Mal an, dem erzkonservativen Hardrock jenen Glamour zurückzugeben, der ihn während seiner glorreichen Hochzeiten auszeichnete. Boogie Woogie Abstecher und Flirts mit Glam inklusive.

Dass Johnny Depp bei den Hollywood Vampires mitklampft, dürfte am Aufsehen, das vom Debütalbum erregt wurde, sicherlich nicht ganz unschuldig gewesen sein. Seitdem hat der exzentrische Schauspieler auf den Rockbühnen dieser Hemisphäre jedoch unter Beweis stellen können, dass er keineswegs als PR-Gag zu dienen hat. Ganz im Gegenteil: Neben den überaus bewährten Recken Alice und Joe wirkt Johnny als ein ehrlich und ehrenhaft belebendes Element des gesamten Spektakels.

Rise bewegt sich konzeptionell auf einem breiter aufgefächerten Plafond als sein Vorgänger. Zur nostalgischen Revue gesellen sich sogar sozialkritisch bissige Inhalte, die von entsprechend variabel ausgestalteten Sounddesigns gestützt und ziemlich forsch transportiert werden. Kaleidoskopisch Anleihen und Querverweise auf fünfzig Jahre Rock (and Roll) aneinanderreihend, entsteht somit ein ungemein unterhaltsamer Rundumschlag, der auch die nötige Wucht nicht missen lässt. Sogar eine sphärische Interlude (A Pityful Beauty) findet hier ihre optimale Platzierung.

Wollte man jedes bemerkenswerte Detail dieser aus dem Vollen schöpfenden Scheibe aufführen, säße man gleich mehrere Durchläufe am Flickwerk. Es seien stellvertretend die vier in Berlin (den ehemaligen Hansa-Studios) live eingespielten Tracks hervorgehoben, wobei die geschätzt 134 tausendste Coverversion von Heroes den einzig bedenklichen Schwachpunkt des Albums markiert. Als besonderer Höhepunkt sei die mit viel Hall von Joe Perry eingesungene Halbballade You can’t put your arms around a memory benannt, die das Bedauern um der Zeiten Lauf höchst gefühlvoll umgarnt.

Und Johnny Depp? Verrichtet seinen Job. Als habe er nie etwas anderes (oder besseres) vollbracht. Authentisch, liebevoll und überaus sachkundig, ganz so wie Rise insgesamt. Ein Muss für Millionen.

Rise – Pre-Listening:
youtube.com/watch?v=OXZbt5UpeAo

hollywoodvampires.com
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