Wave Gotik Treffen XXVIII - Rückblick

Am Wesenskern entlang

(wave-gotik-treffen.de)

Mit dem Abstand einiger Tage der Rückführung ins kunterbunte Einerlei außerhalb schwarz dominierter Festivitäten zerlaufen die eigenen, akut nachhallenden WGT-Erfahrungen mit den Berichterstattungen jener, die Pfingsten zwar auch im Festival-Sog zu Leipzig verlebt haben – wenngleich jedoch an anderer Stätte als man selbst. Auf dieser Grundlage das gesamte Bild betrachtend, eröffnet sich ein Spannungsfeld aus Routine und Euphorie, welches vielleicht als kennzeichnend für die emotionale Grundströmung des WGT im 28. Jahr seines Bestehens Gültigkeit beanspruchen mag. Eine kurze Nachbetrachtung, lose und stückig.

Die üblichen Plattitüden, mit denen sich der mediale Mainstream alljährlich dem WGT zu nähern (oder auch anzubiedern) gedenkt, brauchen hier nicht weiter bemüht zu werden. Auch die Hervorhebung einzelner Veranstaltungen würde diesem kurzen Versuch einer Einschätzung der mentalen Festival-Beschaffenheit anno 2019 kaum dienlich sein. Es bleibt in dieser Hinsicht festzuhalten, dass die Besucherreaktionen auf singuläre Darbietungen – wie üblich – durchweg überaus positiv ausfallen. Offenbar fühlen sich die auf den Bühnen agierenden Bands, Handwerker und Künstler nach wie vor besonders motiviert, um anlässlich des WGT denkwürdige Visitenkarten zu verteilen. Ein Anspruch, der bereitwillig honoriert wird. Insbesondere für WGT-Novizen gilt ein überzeugender Vortrag wohl auch weiterhin als Ritterschlag.

Freunde der italienischen Oper, Schauspielhaus Leipzig (Stephan Wolf)

Ob zwingenderweise demographische Erklärungsmodelle dazu herhalten müssen, um die eigentümliche Gelassenheit der sich zu Leipzig Treffenden zu deuten, die sich von Jahr zu Jahr stärker bemerkbar macht, sei indes dahingestellt. Trotz der gebotenen Überfülle des kulturellen (wenn nicht gar kultischen) Angebots erwecken die Besucher den Eindruck, sich im urbanen Fluss markant moderat – andante – zu bewegen. Bedächtiger als etwa die Laufkundschaft des parallel stattfindenden Stadtfests, – einer ohnehin immens anschaulich interessanten Koinzidenz der Ereignisse, die idealerweise fortgesetzt werden sollte. Da sie nicht zuletzt, samt ihrer Pluralität, den sozialen Wesenskern der Musik extrapoliert. Heterogenität als semi-institutionalisierte Stiftung eines gelebten Miteinanders im öffentlichen Raum. Vielleicht eines der wesentlichen Merkmale, die das WGT von hermetisch abgeriegelten Szene-Veranstaltungen unterscheidet.

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