Interview mit Felix Keiler (Die Kerzen)

„Einfach mal so gemacht“

Die Kerzen: „True Love“ (Staatsakt)

Ambivalenz mal anders: Aus Ludwigslust grüßen Die Kerzen mit einem Album namens True Love (Staatsakt) aus einem bislang noch kaum bespielten Orkus zwischen Münchener Freiheit, Polarkreis 18, The Church und Prefab Sprout. Hochgradig erregend, virulent polarisierend. Und vermutlich das beste Album deutscher Zunge in diesem Jahr, nach und mit Kontrolle und dem Snatcher.

Trotz oder wegen der die Runde machenden Lobpreisungen bleibt Felix Keiler einigermaßen gelassen. „Wir haben es einfach mal so gemacht. Und analysieren jetzt in Ruhe, was wir da verbrochen haben.“ Verbrochen ja, verbockt nein. Die zahllosen Bezüge, die Die Kerzen angraben, sind ihm nur teils geläufig. So der Auftakt des Albums (Blue Jeans) im subjektiv Unguten oszilliert und fremd felbert. Der juvenil-debile Impetus von Bilderbuch ist da nicht allzu weit weg.

Und dennoch: Das Setting, das Design – steht. Der Depro-Diskofunk von Saigon mag noch als – gekonnte – Persiflage von den kanadischen Stars zu Zeiten von No One Is Lost durchgehen. Doch spätestens ab dem Titeltrack hebt die Scheibe ab. Hinauf in die Abgründe der melancholischen Liebesempfindung (Desole, also: frz. Désolé). „Findest du?“, wirft Felix Keiler fragend ein. Und gibt oder gönnt sich und seinen Freunden die Replik. „Das freut mich zu hören, doch das war keine Absicht.“ Und somit auch nicht die Krux. „Natürlich haben auch autobiographische Elemente Eingang gefunden. Aber es ging uns eher darum, Gefühle zu formulieren, die allgemeine Gültigkeit für sich beanspruchen können.“

Und da – genau dort – haben Die Kerzen aber mal ordentlich ins Fettnäpfchen der Eitelkeiten getreten. Rühren sie doch an Gefühle, die sich heutzutage eher verbieten. „Nur im Nachhinein finde ich es schön, dass dieses Album Assoziationen zu Prefab Sprout weckt. Eine Band, auf die wir uns komplett einigen können. Aber es war keine Absicht.“ Denkbar, dass Die Kerzen bald mal mit Drangsal auf Tour gehen. Denkbare Vermutungen, die spätestens bei den beiden das Album abschließenden Tracks (In der Nacht hast du geweint, Solarium) pulverisieren.

Das sentimentale Element bleibt im Gespräch mit Felix Keiler unausgesprochen. Weil man sich ohnehin versteht. Würgereize inkludiert. Immerhin: Reize!

True Love:
youtube.com/watch?v=kM33XmNZR1Q

facebook.com/DieKerzen

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